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Tag des offenen Denkmals 2013

Aktionstag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Motto: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmäler“:

Der Denkmaltag stellte mit dem Motto 2013 die zentralen Fragen der Denkmalpflege in den Mittelpunkt: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmäler unbequem, wann und für wen?

 
 
 
 
Plakat Denkmaltag 2013
Plakat Denkmaltag 2013

Stadt Worms wieder mit zahlreichen Objekten vertreten

Das Motto war bewusst weit gefasst. Denkmäler, die an Krieg und Unrecht erinnern standen ebenso im Fokus wie jene der Nachkriegsmoderne oder nicht mehr genutzte Industriebauten und historische Gebäude in strukturschwachen Gegenden. Alle diese Objekte können für jeden sichtbar machen, vor welche Herausforderungen die Anforderungen des Denkmalschutzes Besitzer, Planer, Handwerker und Denkmalpfleger stellen können - und wie sie gemeinsam bewältigt werden. Der Tag ist zugleich eine Leistungsschau, bei der gezeigt wird, wie sehr es sich lohnt, sich für alle historischen Bauwerke einzusetzen.

Auch die Stadt Worms beteiligte sich wieder mit einigen interessanten Objekten am "Tag des offenen Denkmals", die es wert sind an diesem Sonntag erkundet zu werden. 

 
 
 
 

Das Programm 2013 in Worms:

Denkmal für Kriegsteilnehmer 1870/71 
Denkmal für Kriegsteilnehmer 1870/71

Albert-Schulte-Park (Stadtzentrum)

  • ganztägig geöffnet
  • Führung: 10 Uhr, Treffpunkt: Parkeingang am Busbahnhof, Führung durch Marc Bellefroid (Stadtverwaltung Worms)

Der Anfang 19. Jahrhundert (Jh.) angelegte und zu Ende des 19. Jh. aufgelassene „Alte Friedhof“ wurde zur Parkanlage umgestaltet und die letzte prägende Veränderung erfolgte in den 1960er Jahren. Im nordöstlichen Bereich blieben etliche Grabmäler erhalten, zu denen auch künstlerisch bedeutende zählen, darunter das Grabdenkmal des Großherzoglich Hessischen Generalleutnants Freiherr Schaeffer von Bernstein († 1838) mit Helm, Kranz, überkreuzten Schwertern und Feldherrenstab. 

Auch zwei Kriegerdenkmäler wurden errichtet: das neuklassizistische Denkmal für die Veteranen der napoleonischen Kriege, das der Wormser Steinmetz Aloys Boller 1848 geschaffen hatte, und das Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71, 1874 fertig gestellt, die Germania-Figur stammt von Joh.Ev. Riedmiller, München, der Sockel von A. Boller.

 
Zierte einst ein Denkmal in Worms: die Büste von Bismarck 
Zierte einst ein Denkmal in Worms: die Büste von Bismarck

Bismarck-Denkmal (Stadtzentrum)

  • Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Weckerlingplatz 7
  • Führung: 11 Uhr, Referent: Dr. Jörg Koch (Historiker)

Das Bismarckdenkmal wurde von dem Wormser Lederindustriellen Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim am 2. September 1890 „Der Vaterstadt gewidmet“ und in einer eigens dafür geschaffenen Anlage auf dem Rheintorplatz aufgestellt. In den 1930er Jahren wurde es in die Bismarckanlage (heute Lutherring) versetzt. Nach Kriegsende 1945 demontiert, steht es heute im Hof des Museums, der für Besucher nicht zugänglich ist. 

Die Bronzebüste stammt von Bildhauer Johann Hirt, der u. a. auch das Wormser Hagendenkmal schuf. Mehrere Versuche in Verbindung mit engagierten Diskussionen, das Denkmal wieder im öffentlichen Raum aufzustellen, scheiterten bislang, über den Standort konnte keine Einigung erzielt werden. Ein Vorschlag ist, wegen des Stifters von Heyl, das Denkmal im Heylshofgarten oder im Herrnsheimer Schlosspark (der zeitweilig den von Heyls gehörte) aufzustellen. Aber auch in den Parks ist die Standortfrage nicht einfach, denn das Denkmal muss sich gut einfügen und darf dort nicht nur „abgestellt“ werden. Diese Thematik harrt nach wie vor der Lösung. 

 
Dreifaltigkeitskirche am Marktplatz (Foto: R. Uhrig) 
Dreifaltigkeitskirche am Marktplatz (Foto: R. Uhrig)
Dreifaltigkeitskirche - Altar und Motivfenster (Foto: R. Uhrig) 
Dreifaltigkeitskirche - Altar und Motivfenster (Foto: R. Uhrig)

Ev. Dreifaltigkeitskirche (Stadtzentrum)

  • Marktplatz
  • geöffnet von 9 – 18 Uhr
  • Führungen: 12, 13, 14, 15 und 16 Uhr

Ursprünglich als „Reformationsgedächtniskirche zur Heiligen Drey-Einigkeit“ errichtet, erinnert der barocke Kirchenbau an die Reformation und den Auftritt Luthers 1521 vor dem Kaiser in Worms im Rahmen des Reichstags. 1709 fand die Grundsteinlegung statt, 1725 die Einweihung. In der Bombennacht des 21. Februar 1945 bis auf die Außenmauern, Teile des Turms sowie das Eingangsportal zerstört, wurde sie von 1955 bis 1959 nach Plänen von Prof. Otto Bartning und Otto Dörzbach wieder errichtet und am 30. Oktober 1959 wieder eingeweiht. Bartning, einer der bedeutendsten Architekten des modernen evangelischen Kirchbaus im 20. Jh., fügte in den erhaltenen Außenbau eine dem Zeitgeist gemäß schlichte Architektur ein. 

Die Dreifaltigkeitskirche ist - auch mit ihrer kunstvoll gegliederten Holzdecke - ein bedeutendes Bau- und Kulturdenkmal der 1950er Jahre. Nicht nur von der Bausubstanz her, auch als Zeugnis der 50er Jahre ist sie ein durchaus „unbequemes“ Kulturdenkmal, das man nicht ruinös liegen lassen, aber auch nicht original-historistisch rekonstruieren wollte. Sie ist in diesem Sinne durchaus „gewöhnungsbedürftig“. Gezeigt wird auch das 1933/34 vom Darmstädter Jugendstilkünstler Ludwig Habich geschaffene Mahnmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs.

 
Der Nibelungenturm der "alten" Rheinbrücke 
Der Nibelungenturm der "alten" Rheinbrücke

Nibelungenturm (Stadtzentrum)

  • Nibelungenbrücke (Rheinbrücke)
  • geöffnet von 10 – 18 Uhr
  • Führungen etwa halbstündlich
  • Café, Ausstellungen zur Pfadfindergeschichte und zur aktuellen Pfadfinderarbeit in der Region

Der Nibelungenturm, 1897-1900 nach Plänen von Stadtbaumeister Karl Hofmann erbaut, ist in dreifacher Hinsicht ein „unbequemes“ Denkmal: Zum einen bringen die zahllosen Stufen des 53 m hohen Brückenturms außer Atem. Zum anderen wurden 1939 die Turmhelme abgebaut, um die Plattform als Flakstellung zu nutzen (1990 wiederhergestellt). Und schließlich erhoben die Architekten Protest bei der Wiederherstellung der Brücke, die kurz vor Kriegsende durch die abziehende Wehrmacht gesprengt worden war: Während der baugleiche Turm auf der gegenüberliegenden Seite abgerissen wurde, musste das Bauwerk auf rheinland-pfälzischer Seite erhalten werden.

Der im „Nibelungenstil“, einer Mixtur aus Neuromanik und Darmstädter Jugendstil, erbaute Turm beeinträchtige das Erscheinungsbild der modernen Brücke und passe in jeglicher Hinsicht nicht in die moderne Zeit – heute sieht man dies anders als in den 1950er Jahren: der Turm steht unter Denkmalschutz und wird seit 1972 unter großem Zuspruch als Pfadfinderzentrum genutzt. 

 
Mennonitenkirche in Worms-Ibersheim 
Mennonitenkirche in Worms-Ibersheim

Mennonitenkirche (Worms-Ibersheim)

  • Worms-Ibersheim, Kirchplatz 1
  • geöffnet von 10 - 13 Uhr
  • 10 Uhr Denk-Mal-Gottesdienst
  • Kirchenführung: 11.15 Uhr 
  • „Erst unbequem, dann erfolgreich und immer abgelegen: Die Mennoniten in Ibersheim“, Mottoführung durch Ibersheim mit Dr. Christian Lang, Treffpunkt: 11.40 an der Mennonitenkirche

Der klassizistische Bau wurde 1836 an Stelle des zerstörten Vorgängers als einzige Mennonitenkirche im süddeutschen Raum erbaut, die einen Turm und zwei Glocken besitzt. Der mit einer Orgel der Gebr. Stumm von 1822 ausgestattete Rechtecksaal besitzt zwei übereinanderliegende Räume, die als Kindergarten, Schulräume und Rathaus genutzt wurden und zurzeit als Gemeinderäume dienen. Die Renovierung des Gebäudes konnte mit Unterstützung der Denkmalpflege abgeschlossen werden.

 
Gedenkstein für den Bauernkrieg 1525 in der Mörstädter Straße, Worms-Pfeddersheim (Quelle: Stadtarchiv, P7086739) 
Gedenkstein für den Bauernkrieg 1525 in der Mörstädter Straße, Worms-Pfeddersheim (Quelle: Stadtarchiv, P7086739)
Bild: Kriegerdenkmal in Pfeddersheim 
Bild: Kriegerdenkmal in Pfeddersheim

Rundgang zu Pfeddersheimer Gedenksteinen (Worms-Pfeddersheim)

  • Worms-Pfeddersheim
  • Treffpunkt zur Führung zu sechs Denkmälern um 14 Uhr am Kriegerdenkmal in der Allee
  • Informationsschrift, abschließend Kostprobe des Pfeddersheimer Rieslings 

An die Pfeddersheimer Bauernschlacht erinnert das moderne Denkmal für die Opfer der Bauernkriege: Ihren Höhepunkt fand sie im Juni 1525, als die in der Stadt eingeschlossenen Bauern durch die „Obere Pforte“ einen Ausfall riskierten. Die Bauern gerieten in eine Zange zwischen Artillerie und Truppen und Reiterei; sie versuchten sich in den Weinbergen zu verschanzen, schossen auch mit ihren kleinen Geschützen, mussten aber bald die Erfolglosigkeit erkennen. 4.000 Bauern wurden auf der Flucht erschlagen. - „Um ewig und still der unsterblichen Verdienste der Tapferen zu gedenken, (…) wollen wir nicht ruhen und rasten, bevor wir dem Andenken dieser Tapferen ein schlichtes Kriegerdenkmal gesetzt haben.“ So wurden 1893 die Pfeddersheimer Bürger aufgefordert, „durch Leistungen von Beiträgen zur Verwirklichung dieses Vorhabens nach bestmöglichsten Kräften einzutreten“. 

1894 dann konnte das Denkmal für die Teilnehmer des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 mit der Bronzefigur eines fahnenschwenkenden Soldaten feierlich eingeweiht werden. 

Die Einweihung des Denkmals der Heimatvertriebenen „Auf dem Graben“ war im Mai 1954 feierlicher Bestandteil der 1200-Jahrfeier von Pfeddersheim, als die Stadtrechte wieder verliehen wurden. Heute erinnert der Gedenkstein auf dem früheren Friedhof „Am Cästrich“ an das Schicksal der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg. 

Der Rundgang führt an drei weiteren Denkmälern im Ortsbereich vorbei: der Friedensstele von Horst Rettig auf dem Kirchplatz, dem Kriegerdenkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs, einem frühen Beispiel für die sachlichen Formen der Moderne und dem sog. Veteranenstein von 1847. 

 
 
 
 

Außerdem wurden folgende Wormser Denkmäler gezeigt:

Wormser Dom (Foto: R. Uhrig)  
Wormser Dom (Foto: R. Uhrig)

Dom St. Peter (Stadtzentrum)

  • Domplatz
  • geöffnet von 13 – 18 Uhr
  • Führungen: 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr

Als Hauptbeispiel der Romanik am Mittelrhein wirkte der im 12. Jh. auf den Fundamenten eines ottonischen Vorgängerbaus errichtete Dom schulbildend. Doppelchörige dreischiffige Basilika mit Querhaus, Vierungsturm und vier Ecktürmen, Kapellen- und Sakristeianbauten; gotisches Südportal zwischen 1290 und 1320; bedeutende Ausstattung des 12.-18. Jh.

 
Magnuskirche (Foto: R. Uhrig) 
Magnuskirche (Foto: R. Uhrig)

Ev. Magnuskirche (Stadtzentrum)

  • Weckerlingplatz
  • geöffnet von 11 – 17 Uhr
  • Turmbesteigung und Glockenbesichtigung während der gesamten Öffnungszeit
  • Turmführungen: 11.30, 14.30 und 15.30 Uhr

Die Magnuskirche in Worms ist eine dreischiffige, im Wesentlichen romanische Basilika, kleinste und älteste erhaltene romanische Wormser Kirche mit karolingischen Bauteilen, mehrmals zerstört, zuletzt 1952/53 wiederhergestellt; Taufstein um 1500, Wappengrabsteine des 15.-17. Jh., Andachtsbild von Antoni Tapies. Älteste lutherische Kirche in Südwestdeutschland, hier wurde bereits vor Luthers Auftritt in Worms 1521 in seinem Sinne gepredigt.

 
Klausenbergkapelle bei Abenheim 
Klausenbergkapelle bei Abenheim

St.- Michaels-Kapelle auf dem Klausenberg (Worms-Abenheim)

  • Worms-Abenheim, Klausenberg
  • geöffnet von 14 – 17.30 Uhr
  • Führungen: 14, 15, 16 und 17 Uhr
  • Kinderbelustigung
  • 17.30 Uhr Schlussgottesdienst

Spätgotischer Saalbau mit Schildgiebel und schlankem Dachreiter von 1572.

 
Schloss Herrnsheim 
Schloss Herrnsheim
Schlosspark 
Schlosspark

Schloss und Schlosspark (Worms-Herrnsheim)

  • Schloss Worms-Herrnsheim, Herrnsheimer Hauptstraße 1
  • Schloss geöffnet zur Führung durch Gerlinde Mauer um 10 Uhr

Von den Kämmerern von Worms, gen. von Dalberg, unter Einbeziehung älterer Bauteile (z.B. spätmittelalterlicher Rundturm) ab dem frühen 19. Jh. errichteter hervorragender Schlossbau mit wertvollen Bildtapeten, Parkettfußböden und englischem Park (s. dort). 

  • Schlosspark ganztägig geöffnet
  • Führung: 11 Uhr durch Erich Kulling (Stadtverwaltung Worms), Treffpunkt an der Infotafel am Eingang

Bedeutendster Englischer Landschaftsgarten in Rheinland-Pfalz, 1788-93 Umgestaltung der barocken Anlage durch Friedrich Ludwig von Sckell, der unter anderem auch den Englischen Garten in München schuf, 1811 Sanierung und Erweiterung durch Johann Michael Zeyer; wesentliche Gestaltungselemente sind die ausgedehnte Teichanlage mit Brücken, Inseln, Kanälen und Amorgrotte, großzügige Wiesenbereiche sowie waldartige Baumbestände.

 
Gottliebenkapelle (Foto: R. Uhrig) 
Gottliebenkapelle (Foto: R. Uhrig)

Gottliebenkapelle (Worms-Herrnsheim)

  • Worms-Herrnsheim, Gabriel-von-Seidl-Straße 10
  • geöffnet von 12 – 17 Uhr
  • Führung um 13 Uhr zum Bauwerk und seiner Geschichte durch Architekt Michael Schuy
  • Führung um 15 Uhr zur Geschichte der Familie von Heyl durch Wolfgang Diehl
  • Konzert um 17 Uhr

1891 nach Plänen von Gabriel von Seidl, München, erbaute Privatkapelle und Grabstätte der Freiherren von Heyl zu Herrnsheim, historisierende Ausmalung von Kapelle und Kreuzgang durch den Heraldiker Otto Hupp; herausragendes Beispiel neuromanischer Architektur. 

 

(Alle Angaben ohne Gewähr / Änderungen vorbehalten)

 
 
 

Deutscher Beitrag zu den European Heritage Days

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Alle 50 Länder der europäischen Kulturkonvention beteiligen sich im September und Oktober an dem Ereignis. Seit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals bundesweit.Ziel des Tages ist es, Denkmale für ein breites Publikum zu öffnen, die sonst nicht zugänglich sind. Mit dieser Idee zählt die Aktion zu den erfolgreichsten Kulturveranstaltungen in Deutschland.

 

Kontakt

Info-Button

Untere Denkmalschutzbehörde

(Bei Fragen zum Programm in Worms)

Bei allgemeinen Fragen zum Aktionstag bzw. zum bundesweiten Programm:

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Tag des offenen Denkmals
Koblenzer Straße 75
53177 Bonn
Telefax: (02 28) 3 90 63 43

Weitere Informationen zum bundesweiten Denkmaltag finden Sie unter
www.tag-des-offenen-denkmals.de