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14. Jüdische Kulturtage in Worms

2. September bis 31. Oktober 2018 

Musik, Vorträge und Ausstellungen laden zum Kennenlernen der jüdischen Kultur in die SchUM-Stadt Worms ein.

Jüdische Kulturtage in den SchUM-Städten

In Worms finden die Jüdischen Kulturtage seit 2005 im Herbst jeden Jahres statt. Im Zuge des UNESCO-Welterbeantrags für die Monumente der einstigen SchUM-Gemeinden gibt es unter dem neuen Titel "Jüdische Kulturtage in den SchUM-Städten" erstmals auch ein Veranstaltungsangebot in Mainz (vom 19. August bis 22. November 2018). Die Stadt Speyer wird sich ab 2019 beteiligen. 

 

Programm 2018 in Worms:

Der Europäische Tag der jüdischen Kultur 2018 hat das Thema "Storytelling".
Der Europäische Tag der jüdischen Kultur 2018 hat das Thema "Storytelling".
Passend dazu erscheint im Worms-Verlag das Buch "Jerusalem am Rhein – Jüdische Geschichten aus Speyer, Worms und Mainz" von Karl Erich Grözinger. 
Passend dazu erscheint im Worms-Verlag das Buch "Jerusalem am Rhein – Jüdische Geschichten aus Speyer, Worms und Mainz" von Karl Erich Grözinger.

Sonntag, 2. September, 11 Uhr

Synagoge, Hintere Judengasse 4, Worms

Jerusalem am Rhein. Buchvorstellung mit Karl Erich Grözinger (Autor) und Volker Gallé (Lesung). 

Eintritt frei.

In allen drei SchUM-Städten sind Wunder geschehen: Die baufällige Brücke über den Rhein hielt gerade solange, bis die Säulen der Wormser Synagoge hinübergebracht waren, Samuel der Fromme besiegte in einem Zauberwettkampf drei Pfaffen und erschuf den ersten Golem, das Boot mit dem Sarg Rabbi Amrams schwamm alleine gegen den Strom von Köln nach Mainz – so entstand die Kirche St. Emmeran – und Worms ist die Heimat der jüdischen Zauberkünstler, der Ba’ale Schem. Aber es gab auch viele Verfolgungen und Morde an den Juden, welche die Nachfahren nie vergaßen. All das und vieles mehr erfährt man aus den so humorvollen wie traurigen jüdischen Volkserzählungen, von denen viele in dem Buch Jerusalem am Rhein zum ersten Mal aus dem Jiddischen und Hebräischen ins Deutsche übersetzt wurden. Wer die Befindlichkeiten der Juden in den drei SchUM-Städten Städten kennen lernen will, kommt an diesen Geschichten nicht vorbei. Der Judaist Karl Erich Grözinger erläutert die Geschichten, die von Volker Gallé gelesen werden.

Das Buch wird auch am 2. September, um 19 Uhr in der Mainzer Synagoge und am 4. September, um 19 Uhr im Neuen Trausaal des Rathauses Speyer (Historisches Stadtarchiv) vorgestellt.
 
Spielt beide Frauenrollen im Stück "Susanna – Ich bin ein Kontinent": Martina Roth. 
Spielt beide Frauenrollen im Stück "Susanna – Ich bin ein Kontinent": Martina Roth.

Donnerstag, 6. September, 19 Uhr

LincolnTheater, Obermarkt 8, Worms

BewegtBildTheater: Susanna – Ich bin ein Kontinent. 

Eintritt: 15 Euro (Schüler und Studenten 10 Euro)
Vorverkauf: Bücher Bessler und in der Kunsthandlung Steuer

Susanna, ein junges, lebenshungriges Mädchen, nimmt ihre nüchterne, steife Erzieherin mit in ihre Fantasiewelt, die um sagenhafte Geschichte, um Tiere und Fabelwesen kreist. In dieser großen, fantastischen Welt thront dieses traumwandelnde Mädchen mit offenem, wilden Haar und in blutrotem Kleid wie eine Königstochter auf einer Leiter und fordert ihr Recht auf Liebe und Sinnlichkeit zu einem Mann. 

In diesem Theaterabend nach einer Erzählung von Gertrud Kolmar verbinden Martina Roth (Gesang, Schauspiel) und Johannes Conen (Bewegtbild, Komposition, Gitarre) Wort und Musik in einem Dialog. Beide Frauenfiguren werden von Martina Roth gespielt, Susanna als reale Figur auf der Bühne, und die Erzieherin als Charakter auf der Leinwand.

 
Titelbild des Wormser Programmes 2018: Ein junges Mädchen trägt ihren Bruder durch den Schlamm des Beit-Lid-Lagers, Winter 1950 (Quelle: Israel National Photo Archive) 
Titelbild des Wormser Programmes 2018: Ein junges Mädchen trägt ihren Bruder durch den Schlamm des Beit-Lid-Lagers, Winter 1950 (Quelle: Israel National Photo Archive)

Sonntag, 16. September - 31. Oktober

Synagoge, Hintere Judengasse 4, Worms

Die vergessenen jüdischen Flüchtlinge. Ausstellung der Entwicklungshilfeagentur des israelischen Außen­ministeriums. 

Bis 31. Oktober 2018 zu den üblichen Öffnungszeiten der Synagoge:
täglich 10–12.30 und 13.30–17 Uhr.

In fünfzehn Tafeln erzählt die Ausstellung von jüdischen Flüchtlingen aus arabischen Ländern und dem Iran im 20. Jahrhundert. Die meisten von ihnen lebten in uralten Gemeinden. In den ersten beiden Jahrzehnten nach Gründung des Staates Israel verschwanden zwischen Marokko und dem Irak fast alle jüdischen Gemeinden. Von den mehr als 850.000 Juden, die dort vor 1948 lebten, sind im Jahre 2001 nur knapp 7.800 übriggeblieben.

 
Beate Klarsfeld (Foto: Claude Truong Ngoc; Quelle: wikimedia commons) 
Beate Klarsfeld (Foto: Claude Truong Ngoc; Quelle: wikimedia commons)

Freitag, 21. September, 19 Uhr

Ratssaal im Rathaus, Marktplatz 2, Worms

Beate Klarsfeld: Antisemitismus in Deutschland und Frankreich – gestern und heute. Vortrag in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Mainz/Worms.

1968 steht für Bürgerrechtsbewegungen, die eine verkrustete Bundesrepublik nachhaltig veränderten. Beate Klarsfeld repräsentiert wie kaum eine andere Person diesen Willen zu einer tiefgreifenden Umgestaltung, die nur durch die Konfrontation mit der damals verdrängten Geschichte des Nazismus zu erreichen war. Unvergessen bleibt ihre Ohrfeige, mit der sie nicht nur ihre Verachtung für die Person Kiesinger, sondern für eine politische Klasse ausdrückte, deren Wurzel stark in die Barbarei des Nationalsozialismus zurückreichen. 

Ihr Mut und ihre charakterliche Integrität, mit der sie gegen alle Widerstände Nazimörder wie Lischka oder Barbie enttarnte und juristischen Prozessen zuführte, beeindrucken noch heute. Fünfzig Jahre nach 1968 scheinen Projekte wie ein gemeinsames Europa oder das Ideal einer multikulturellen Gesellschaft in einer schweren Krise zu stecken. Die Kritik gegen das politische Establishment wird diesmal von immer stärker werdenden rechten Parteien in Europa erhoben. In der Folge dieser Kritik steigen längst totgeglaubte Gespenster wie chauvinistischer Nationalismus und in seinem Gefolge auch der Antisemitismus aus den Gräbern der Vergangenheit. 

Es wird höchst interessant und wichtig sein, was Beate Klarsfeld zum Thema eines neuen, auch islamistischen Antisemitismus in Deutschland und Frankreich zu sagen hat.

 
Daniel Kempin und Dimitry Reznik 
Daniel Kempin und Dimitry Reznik

Donnerstag, 4. Oktober, 19 Uhr

Synagoge, Hintere Judengasse 4, Worms

Daniel Kempin und Dimitry Reznik: "mir hojbn di hent" – Messianische Befreiungssehnsucht und Revolution in jüdischen Liedern. 

Eintritt: 15 Euro (Schüler und Studenten 10 Euro)
Vorverkauf: bei Bücher Bessler und in der Kunsthandlung Steuer

Es erklingen Lieder der Befreiungsfeste Pessah, Chanukka und des Schabbats, aber auch flammende Lieder und Hymnen des »Bundes«. Das Programm will aufzeigen, dass die jüdische Arbeiterbewegung als eine konsequente Weiterentwicklung der religiösen Tradition und der messianischen Vision einer gerechten Gesellschaftsordnung angesehen werden kann.

 
Paula Quast (Foto: Alfons Fries) 
Paula Quast (Foto: Alfons Fries)
Henry Altmann 
Henry Altmann

Dienstag, 23. Oktober, 19 Uhr

LincolnTheater, Obermarkt 8, Worms

Paula Quast und Henry Altmann: Jüdische Märchen. 

Eintritt 12 Euro (Schüler und Studenten 8 Euro)
Vorverkauf: bei Bücher Bessler und in der Kunsthandlung Steuer

Feiner Witz und tiefer Sinn zeichnet jüdische Märchen aus. In ihnen verbinden sich die Weisheit und der Humor dieser Erzähltradition mit den Farben und der Fabulierfreude des Orients. Auch mit diesem Programm haben Paula Quast und Henry Altmann erneut etwas Besonderes erschaffen. Mit ihrer warmen, tiefen Stimme und der klaren, akzentuierten Sprechweise zieht Paula Quast Jung und Alt in ihren Bann, Henry Altmanns musikalische Virtuosität und Einfallsreichtum gestalten farbenreiche Klangteppiche, die den Worten Flügel verleihen. 

Paula Quast und Henry Altmann haben im letzten Jahr ein großes Publikum in der Wormser Synagoge mit ihrem Programm "Mascha Kaléko" begeistert.

 

Weitere Veranstaltungshinweise:

Raschi-Haus Worms (Foto: B. Bertram)
Raschi-Haus Worms (Foto: B. Bertram)

Dienstag, 11. September, 19 Uhr

Raschi-Haus, Hintere Judengasse 6, Worms

Dr. Dominik Nagl, Universität Mannheim: Kapitalismuskritik und das Problem des Antisemitismus – Von Marx’ "Zur Judenfrage" bis zur Antiglobalisierungsbewegung. 

Veranstalter: Warmaisa

Kritik am Kapitalismus, insbesondere solche, die sich als "links" versteht, und Antisemitismus wurden und werden häufig als Gegensatz betrachtet. "Linker Antisemitismus ist unmöglich", meinte etwa 1976 der Schriftsteller Gerhard Zwerenz. Dass dem beileibe nicht so ist, sondern stets eine verhängnisvolle innere Beziehung zwischen bestimmten Formen des Antikapitalismus und Antisemitismus bestanden hat, wird dieser Vortrag in einer Würdigung des kürzlich verstorbenen Historikers Moishe Postone und anhand von Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart herausarbeiten.

 
Brennende Synagoge in Worms, 1938 (Quelle: Stadtarchiv Worms)
Brennende Synagoge in Worms, 1938 (Quelle: Stadtarchiv Worms)

Donnerstag, 8. November, 17 Uhr

Synagoge, Hintere Judengasse 4, Worms

Gedenkveranstaltung zum November 1938. 

Mit Oberbürgermeister Michael Kissel, dem Duo Allegri, Schülerinnen und Schülern des Gauß-Gymnasiums Worms und einem Kaddisch durch Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky. 

Veranstalter: Stadt Worms, Jüdische Gemeinde, Warmaisa, Bündnis gegen Nazi­aufmärsche.

 
Götz Aly (Foto: Andreas Labes) 
Götz Aly (Foto: Andreas Labes)

Mittwoch, 14. November, 19 Uhr 

WORMSER Tagungszentrum, Rathenaustraße 11, Worms

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880–1945. Vortrag. 

Eintritt: 10 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro)
Vorverkauf: bei Bücher Bessler und in der Kunsthandlung Steuer

Veranstalter: Warmaisa

Der Holocaust ist nicht allein aus der deutschen Geschichte heraus erklärbar. Sowohl in West- als auch in Osteuropa hatte die Judenfeindschaft seit 1880 sprunghaft zugenommen – angetrieben von Nationalismus und sozialen Krisen. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt der Historiker Götz Aly, wie Rivalität und Neid, Diskriminierung und Pogrome vielerorts dazu bei­getragen haben, den Boden für Deportationen und Morde zu bereiten.

 
Logo SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz

Donnerstag, 29. November, 19 Uhr

WORMSER Tagungszentrum, Rathenaustraße 11, Worms

Der Golem kehrt zurück. Vortrag mit Prof. Frank Stern (Wien) und Film zum Thema Golem. 

Eintritt: 10 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro)

Veranstalter: SchUM-Städte e. V.

Wussten Sie, dass der Golem oder besser die Idee des Golems aus Worms stammt? Am Rhein entstand die Idee eines solchen Wesens bereits im 13. Jahrhundert, lange, bevor Prag sich auf immer mit dem Golem verband. Bilder, Filmausschnitte, ein amüsant-kenntnisreicher Vortrag von Prof. Frank Stern und ein Film warten auf die Besucher.

 
 
 

Veranstalter

Die Jüdischen Kulturtage 2018 in Worms werden von der Stadt Worms in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Mainz / Worms und dem Verein Warmaisa e. V. im Rahmen des Europatages der Jüdischen Kultur (5.9.) veranstaltet. 

Informationen zum Programm in Worms erteilt die Kulturkoordination der Stadt Worms:

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