Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)
Schriftvergrößerung
AAA

Pfarrer Johannes Weil

Am 9. Juni 1902 wurde Johannes Weil in Oppershofen in Oberhessen geboren und am 24. März 1928 in Mainz zum Priester geweiht. Als Kaplan war er in Groß-Zimmern, Worms (Liebfrauen), Viernheim, Mainz-Mombach, Offenbach-Bürgel und Dienheim tätig. Im 2. Weltkrieg war er bis zu seiner schweren Verwundung Divisionspfarrer.
Am 1. Oktober 1943 wurde er Pfarrer in Hochheim an "Maria Himmelskron".

Arbeiten und trösten - das war Pfarrer Weil

Am 21. Februar 1945 und am 18. März 1945 war Worms von englischen bzw. amerikanischen Bombern angegriffen worden. Auch Hochheim blieb nicht verschont. Viele Menschen wurden unter den Trümmern begraben und konnten wegen der damaligen Umstände nur zu einem geringen Teil geborgen und bestattet werden. Zwei Tage nach ihrem Bombenangriff marschierten die Amerikaner in Worms ein.

Weitere zwei Tage später, am 22. März 1945, hatte Pfarrer Weil siebzehn evangelische und katholische Hochheimer zusammengetrommelt, um die noch verschütteten Leichen unter den Trümmern zu bergen und zu bestatten. Niemand hatte dies befohlen, niemand eine der üblichen Verordnungen herausgegeben, weil ja die gesamte Verwaltung zusammengebrochen war. Getrieben von der Achtung der Menschenwürde und seiner soldatisch geprägten Ordnungsliebe rackerte Pfarrer Weil mit seinen Helfern Tag für Tag: Trümmer mussten weggeräumt, Keller aufgebrochen, Stollen gegraben werden. Manchmal war die Arbeit lebensgefährlich, manchmal mit dem vorhandenen einfachen Werkzeug nicht zu schaffen. Dann scheute er sich nicht, die Amerikaner um Hilfe zu bitten, die er auch bekam.

Mitte Juni 1945 konnte Pfarrer Weil melden:
"494 Tote geborgen, in Särge gebettet und von Geistlichen bestattet!"

Viele Überlebende waren in dieser Zeit deprimiert und hatten nicht nur alle ihre Ideale, sondern meistens auch geliebte Töchter und Söhne, Mütter und Väter verloren. In dieser Zeit war Pfarrer Johannes Weil zu einem Vorbild geworden: ein Mensch, der überall zupackte, wo es notwendig war, der aber auch Trost spenden konnte und den Mitmenschen wieder Mut machte. Dabei war es ihm egal, welcher Religion oder Weltanschauung sie anhingen. Er war für alle da. Als im Herbst 1945 der evangelische Pfarrer Bodensohn mit Frau und drei Kindern nach Hochheim kam, sorgte er bei den Bauern dafür, dass die Familie nicht hungern musste. So war es kein Wunder, dass er in Worms als der heimliche "Bürgermeister von Hochheim" angesehen wurde und auch nach dem Krieg im sich konstituierenden "Gemeinderatskomitee" der Stadt neben Sozialdemokraten, Mitgliedern des "Zentrums", Demokraten und Kommunisten als Parteiloser die Weichen für eine neue eigenständige Verwaltung stellte.

Anlässlich der 950-Jahr-Feier der evangelischen Bergkirche im Jahr 1950 forderte er die Katholiken und Andersgläubigen auf, alle Häuser zu schmücken. Er selbst predigte bei diesem Fest von der Kanzel der Bergkirche. Ein anderes Mal wetterte er von der Kanzel herunter, er wolle keinen mehr sehen, der am Karfreitag seine Teppiche ausklopft, weil das die Protestanten vergrämte. Die Protestanten revanchierten sich, indem sie fortan anlässlich der Fronleichnamsprozession Fensterläden wieder offen stehen ließen und ihre Häuser schmückten. So wurden die beiden Pfarrer Bodensohn und Weil zum Vorbild für gelebte Ökumene. Der von evangelischen und katholischen Gemeindemitgliedern im ökumenischen Geist seit 1964 organisierte Martinszug wurde von beiden Pfarrern gern unterstützt.
Nicht selten sind besonders Hinzugezogene erstaunt und erschrocken, wenn sie Pfarrer Weil anfangs begegneten. Der "Blaumann" kleidete ihn öfter als der priesterliche Talar, und die manchmal ungeputzten Schuhe waren ebenfalls nicht zu übersehen, mit denen er vom Garten in die Kirche kam, um die heilige Messe zu feiern. Seine Predigten waren weniger geistig und intellektuell, sondern von einer klaren, für jedermann verständlichen und offenen Sprache geprägt.

Am 29. August 1968 wurde Pfarrer Weil von dieser Welt abberufen. Er ist in der Kirche "Maria Himmelskron" bestattet.