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Dom St. Peter - Nikolauskapelle

Am südlichen Seitenschiff des Wormser Doms befindet sich die zwischen 1280 und 1315 im gotischen Stil erbaute Kapelle zu Ehren des heiligen Sankt Nikolaus. In einer Nische der heute für Taufen genutzten Kapelle sind die Weiheinschrift von 1058 und eine Nikolausreliquie eingemauert.

Der heilige Sankt Nikolaus 
Der heilige Sankt Nikolaus
Der heilige Nikolaus von Myra mit drei golden Kugeln 
Der heilige Nikolaus von Myra mit drei golden Kugeln
Reliquienschrein in der Nikolauskapelle im Wormser Dom 
Reliquienschrein in der Nikolauskapelle im Wormser Dom
Metalltafel am Reliquienschrein 
Metalltafel am Reliquienschrein
Die drei Bethen, Steinrelief in der Nikolauskapelle (Foto: R. Uhrig)  
Die drei Bethen, Steinrelief in der Nikolauskapelle (Foto: R. Uhrig)
Steinrelief in der Nikolauskapelle (Foto: R. Uhrig) 
Steinrelief in der Nikolauskapelle (Foto: R. Uhrig)

Die Geschichte des heiligen Sankt Nikolaus von Myra

Durch die Landschaft Lyzien in der heutigen Türkei fließt das Flüsschen Myros. Nicht weit von der Stelle, wo der Myros in das Mittelmeer mündet, liegt die Stadt Patara. Dort lebte vor langer Zeit eine reiche Familie. Sie wohnte in einem weitläufigen Haus mit kostbaren Möbeln und Teppichen. Die Schränke waren voll mit Schmuck und goldenen Geräten. Das einzige Kind war ein Knabe. Seine Eltern hatten ihn auf den Namen "Nikolaus" taufen lassen, was soviel bedeutet wie „Der siegreiche Held des Volkes“ oder wie manche sagen „ Sieg des Volkes Gottes“. Als Nikolaus 16 Jahre alt geworden war, starben seine Eltern.

Von da an lebte er alleine in dem großen Haus zu Patara und erbte alles Gold und alles Geld, dass seine Eltern besessen hatten. Eines Abends ging Nikolaus über den Marktplatz von Patara und kam in eine abgelegene Straße. Dort wohnte ein Mann mit seinen drei Töchtern. Als Nikolaus gerade am Fester vorbei gehen wollte, hörte er den Vater mit trauriger Stimme sagen: „Ich weiß nicht mehr aus noch ein, meine lieben Kinder ich habe kein Geld mehr, ich kann euch nichts mehr zu essen kaufen. Morgen früh werde ich euch in die Stadt bringen, alle drei; da müsst ihr selber sehen, wie ihr am Leben bleibt.

Als Nikolaus dies hörte, eilte er sofort heim, um drei goldene Äpfel aus einer Schatztruhe zu holen. Er wartete bis es richtig dunkel war und schlich zu dem Haus der drei Mädchen. Geschickt warf er die drei goldenen Äpfel durch das Fenster in das Schlafzimmer der Mädchen. Am nächsten Morgen, als der Vater in die Kammer seiner Töchter trat, fand er die goldenen Äpfel. Er war außer sich vor Freude und lobte Gott, da er seine Kinder nicht weggeben musste.
Der heilige Nikolaus von Myra mit drei golden KugelnNikolaus dachte, dass er in dieser Nacht nicht erkannt worden war, aber eine Nachbarin hatte alles genau beobachtet. Von da an kamen viele Arme aus Patara und baten Nikolaus um Hilfe. Einige Jahre ging dies so weiter, bis Nikolaus Patara verlassen wollte. Er wanderte viele Tage und Nächte lang, bis er in eine große Stadt Namens Myra kam. Dort ging es lebhaft zu. Viele Händler auf der Straße versuchten lauthals ihre Ware feil zu bieten.

Lyzien wurde zu dieser Zeit von einem Kaiser regiert, der den Glauben an Jesus Christus verboten hat. Viele, die sich in der Öffentlichkeit als Christ bekannten, wurden verhaftet. Deshalb wagten es viele Christen nicht, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Doch Nikolaus gehörte zu denjenigen, die sich dagegen wehrten. Meistens traf er sich heimlich mit anderen Christen in irgendeiner Hütte oder in den Weinbergen, um dort aus der Bibel oder aus den Briefen der Apostel zu lesen. Sie waren oft auf der Flucht vor den kaiserlichen Häschern. So ging das viele Jahre lang, bis endlich ein anderer Kaiser auf den Thron kam. Er schickte in jede Stadt oder Dorf seines Reiches Boten, die verkünden sollten, dass jeder an das glauben dürfe, was er wolle! Der Sonntag sollte von nun an als Feiertag gelten. Die Christen freuten sich sehr darüber. Sie begannen Kirchen und Kapellen zu bauen. Für jede Gemeinde gab es jetzt einen Vorsteher, den sie Priester nannten. In Myra wurde Nikolaus zum Priester gewählt, da er in den Jahren der Christenverfolgung den Bürger immer ein Vorbild im Glauben war.
Reliquienschrein in der Nikolauskapelle im Wormser DomEr forderte alle Christen auf, so oft wie möglich die Kirche aufzusuchen und mit ihm Abendmahl zu halten, so wie es Jesus mit seinen Jünger schon getan hatte. Von dem Tag an fand Nikolaus kaum noch Ruhe. Von morgens bis abends kamen die Bewohner der Stadt zu Nikolaus, um ihn um Rat zu bitten. Einmal war er so erschöpft, dass er für ein paar Tage fort wollte. Zu jener Zeit war gerade der Bischof von Patara gestorben, also musste ein neuer gewählt werden. Die Bürger beschlossen: Wer als Erster am nächsten Morgen die Kirche betrete, der solle ihr neue Bischof werden. Schließlich war es so, dass Nikolaus als erster die Kirche betrag, da er vor dem Antritt seiner Reise noch um den Segen Gottes bitten wollte. Sogleich stürmten alle Bürger die Kirche und verkündeten Nikolaus, was sie am Vortag vereinbart hatten. So musste Nikolaus seine Wanderung absagen. Als Bischof hatte er noch viel mehr Arbeit wie früher. Von Ersparnissen baute er für alle Armen ein Armenhaus, in dem sie sich mit Arbeit ein wenig Lohn verdienen konnten, um die Familie zu ernähren. Manche Eltern, die in Not geraten waren und ihre Kinder nicht ernähren konnten, setzten diese einfach aus. So erbaute Nikolaus zwei Waisenhäuser direkt neben der Kirche.
Dies waren jedoch nicht die einzigen guten Taten, die Nikolaus vollbrachte.

Etliche Jahre später in Ägypten sprach ein Gelehrter, der Arius hieß: „ Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er allein ist Gott." Er wurde gefragt, was mit Jesus sei. Er aber antwortete: „Man kann ihn Gottes Sohn nennen, aber auch alle anderen die getauft sind, werden Söhne und Töchter genannt.“ Diese Aussagen fanden manche Christen gut, andere hielten diese Lehre für falsch. Dadurch gab es viele Streitereien. So ergriff Kaiser Konstantin das Wort: „Ich möchte nicht, dass wegen der Lehre des Arius Streit in meinem Reich entsteht."
Metalltafel am ReliquienschreinDarum rief er alle Bischöfe und auch Arius in den Sommerpalast des Kaisers. Diese Kirchenversammlung nannte sich „Das Konzil von Nizäa“. Sie diskutierten 88 Tage lang über seine Lehre und Fragen, die der Kaiser dem Konzil vorgelegt hatte. Am letzten Tag trat Nikolaus vor und widersprach Arius aufs heftigste. Der Streit zwischen den beiden wurde so heftig, das sie begannen, sich mit Bücher zu bewerfen. Als der Kaiser in den Streit eingreifen musste, beruhigte sich die Sache ganz schnell. Es wurde festgelegt, dass die Lehre Arius´ eine Irrlehre sei, die nicht mehr verkündet werden dürfe!

Nach diesem Ereignis lebte Nikolaus noch 25 Jahre. Auf dem Sterbebett sprach er sein letztes Gebet: "O Gott, mein Vater, sende deine Engel aus, damit sie meine Seele zu dir in den Himmel geleiten." Danach starb er - es war der 06. Dezember um 351. Zur Beerdingung kamen unzählige Bischöfe aus Kleinasien, Griechenland und Ägypten. Auch Boten des Kaisers kamen und legten Blumenkränze auf das Grab nieder.

750 Jahre nach dem Tod von Sankt Nikolaus kamen Kaufleute aus Bari (Italien) und wollten sein Grab besuchen. Als sie am Hafen von Myra anlegten, sahen sie nur noch Ruinen der Stadt. Alles war von fremden Völkern verwüstet und niedergebrannt worden. Als die Kaufleute wieder zurück nach Bari segelten, berichteten Sie Ihrem Herzog von dem Unglück. Dieser veranlasste, die Gebeine des Nikolaus nach Italien zu holen, bevor diese bei einem erneuten Überfall gestohlen oder beschädigt werden. Für die Gebeine wurde eigens eine Kirche erbaut. Sankt Nikolaus wurde in der Nähe des Altars beerdigt.

 
Nikolauskapelle im Dom (Foto: R. Uhrig) 
Nikolauskapelle im Dom (Foto: R. Uhrig)

Nikolausreliquien im Wormser Dom

Auch in Worms gibt es eine Nikolauskapelle. Sie befindet sich am südlichen Seitenschiff des Wormser Doms. Dort befinden sich ebenfalls Nikolausreliquien, die von Kaiserin Theophanu aus Byzanz anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. im Jahre 972 gestiftet wurden. Zwischen 1280 und 1315 entstand die heutige, wesentlich größere Nikolauskapelle im gotischen Stil. Die Weiheinschrift von 1058 ist dort bei der Nische mit der neuen Nikolausreliquie eingemauert. Die ursprünglichen Reliquien sind bei den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg verlorengegangen. Zu Ende des 20. Jahrhunderts konnte dann eine neue Nikolausreliquie beschafft werden. Die Nikolauskapelle dient jetzt als Taufkapelle des Doms.