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Nibelungenturm und Rheinbrücken in Worms

Zwischen den Rheinkilometern 443 und 444 verbinden zwei Rheinbrücken die rheinland-pfälzische Stadt Worms sowie Rheinhessen mit hessischen Städten wie Lampertheim und Bürstadt (hessisches Ried), Darmstadt und Frankfurt.

Der Turm der "alten" Rheinbrücke 
Der Turm der "alten" Rheinbrücke
Stadtwappen und Uhr am Nibelungenturm (Foto: Stadtarchiv) 
Stadtwappen und Uhr am Nibelungenturm (Foto: Stadtarchiv)

Der Nibelungenturm

Auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite ist der 53 Meter hohe, "Nibelungenturm" genannte, neuromanische Brückenturm der "alten" Wormser Rheinbrücke (Nibelungenbrücke) erhalten - ein monumentaler Turm im "Nibelungenstil" und repräsentativer Eingang zur Stadt Worms. Er wurde 1900 nach Plänen von Stadtbaumeister Karl Hofmann errichtet.

Formal ist der Fahrbahnüberbau in Turmform der ehemaligen Mainzer Pforte nachempfunden. Der Rundbogen ist verziert mit Ornamenten von Augusto Varnesi, Darmstadt. Auf der Westseite des Torbogens befindet sich die Bauinschrift "Erbaut 1897–1900 unter der Regierung Ernst-Ludwigs Großherzog von Hessen und bei Rhein". Oberhalb davon wird das kleine Wappen des Großherzugtums Hessen als Sandsteinrelief dargestellt. Darüber befindet sich eine vergoldete Turmuhr. Unterhalb des Schieferhelms sind ebenfalls in rotem Sandstein die Wappen der drei Provinzhauptstädte des Großherzogtums angebracht: Mainz für Rheinhessen, Darmstadt für Starkenburg und Gießen für Oberhessen. Auf der Ostseite ziert den Schlussstein des Torbogens eine mit einer Weinkrone bekrönte Fratze. Das Wappen von Worms befindet sich oberhalb der auch auf dieser Seite angebrachten Turmuhr.

Die alten Kassenräume auf Fahrbahnniveau wichen nach dem Krieg den Durchbrüchen für Fuß- u. Radweg. Direkt über der Durchfahrt befanden sich ursprünglich auf zwei Etagen Dienstwohnungen für die Brückenwärter, später wurden auch die beiden oberen Massivetagen ausgebaut. Darüber befinden sich drei Dachgeschosse mit einem imposanten Schieferhelm. Von den insgesamt acht Etagen oberhalb der Fahrbahn werden heute fünf vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder genutzt. In den drei Etagen unterhalb der Fahrbahn im Turmfuß und auf der Aussichtsplattform der Treppenarkade ist heute die Rheingütestation Worms untergebracht.

Bis 1945 gab es auf der gegenüber liegenden, heute hessischen Rheinseite einen baugleichen "Zwillingsturm". Der Turm auf der hessischen Rheinseite wurde kurz vor Kriegsende zerstört und nicht wieder aufgebaut.

(Quelle: Untere Denkmalschuzbehörde und www.wikipedia.de)

 
Führen auf vier Spuren über den Rhein: die beiden Wormser Rheinbrücken. (Foto: IR / Stadt Worms) 
Führen auf vier Spuren über den Rhein: die beiden Wormser Rheinbrücken. (Foto: IR / Stadt Worms)

Die Wormser Rheinbrücke(n)

Zwischen den Rheinkilometern 443 und 444 verbinden zwei Rheinbrücken die rheinland-pfälzische Stadt Worms sowie Rheinhessen mit hessischen Städten wie Lampertheim und Bürstadt (hessisches Ried), Darmstadt und Frankfurt. Sie sind die einzigen Straßenbrücken über den Rhein zwischen Mannheim im Süden und Mainz im Norden. Beide Brücken verfügen über kombinierte Fußgänger- und Radfahrwege. 

Die "neue Rheinbrücke" (im Bild rechts) führt auf zwei Spuren stadtauswärts über den Rhein auf die hessische Rheinseite. Die "alte" Nibelungenbrücke (im Bild links) mit Brückenturm und Torbogen führt zweispurig auf die rheinland-pfälzische Rheinseite nach Worms hinein.

 
Fährbetrieb bei Worms in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Stadtarchiv Worms) 
Fährbetrieb bei Worms in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Stadtarchiv Worms)

Vorgeschichte

Der Fährbetrieb bei Worms ist erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 858 belegt, in der Ludwig der Deutsche die Schifffahrtsrechte des Klosters Lorsch bestätigt. Spätestens im Hochmittelalter wurden die Fährrechte auf verschiedene, vor allem geistliche Institutionen aufgeteilt, die diese zu ihrer Finanzierung nutzten. Dennoch blieb das Fährwesen eine städtische Aufgabe, wie die um 1400 erlassene städtische Fährordnung dokumentiert, die neben den Tarifen unter anderem auch die Reihenfolge des Übersetzens und die Betriebszeiten festlegte.

 
Die erste Brücke "schwamm auf Pontons (ab 1855, Blick von der rechten Rheinseite aus, Foto: Stadtarchiv Worms) 
Die erste Brücke "schwamm auf Pontons (ab 1855, Blick von der rechten Rheinseite aus, Foto: Stadtarchiv Worms)

Schwimmende Brücke (1855 - ca. 1900)

Die ersten Planungen für eine Schiffsbrücke als dauerhaftere Form der Rheinquerung datieren von 1720. Jedoch dauerte es mehr als 130 Jahre, bis eine sogenannte Schiffsbrücke (schwimmende Brücke) gebaut wurde. Am 14. Juni 1855 wurde sie eingeweiht.


 
Hatte ein Eisenfachwerk und war die erste feste Brücke über den Rhein bei Worms: die Ernst-Ludwig-Brücke (1900 bis 1945, Foto: Stadtarchiv Worms) 
Hatte ein Eisenfachwerk und war die erste feste Brücke über den Rhein bei Worms: die Ernst-Ludwig-Brücke (1900 bis 1945, Foto: Stadtarchiv Worms)
Bauarbeiter an der Ernst-Ludwig-Brücke vor 1900 (Foto: Stadtarchiv Worms) 
Bauarbeiter an der Ernst-Ludwig-Brücke vor 1900 (Foto: Stadtarchiv Worms)

Ernst-Ludwig-Brücke (1900 bis 1945)

Zwischen 1897 und 1900 wurde die erste feste Brücke über den Rhein bei Worms errichtet. Sie trug den Namen "Ernst-Ludwig-Brücke" und wurde am 26. März 1900 eingeweiht. Benannt wurde sie nach dem Landesherrn Großherzog von Hessen-Darmstadt. Noch im selben Jahr wurde auch die nahe Eisenbahnbrücke Rheinbrücke Worms eingeweiht.

Die insgesamt 774 m lange Brücke - eine Eisenfachwerkkonstruktion bestehend aus drei Zweigelenkbögen - besaß eine aufgeständerte Fahrbahn, die von der MAN (Werk Gustavsburg) gebaut wurden. Die massiven Vorlandbrücken, die Pfeiler und die zwei neoromanischen Tortürme wurden nach dem Entwurf des vormaligen Wormser Stadtbaurats Prof. Karl Hofmann durch das Mannheimer Bauunternehmen Grün & Bilfinger oHG größtenteils in Beton ausgeführt.

Für die Benutzung der Ernst-Ludwig-Brücke wurde bis Ende der 1920er-Jahre ein Brückenzoll erhoben. Dafür waren in den Brückentürmen Kassenstuben eingerichtet. Während der Rheinlandbesetzung im Rahmen des Friedensvertrags von Versailles wurden hier auch Grenz- und Zollkontrollen durchgeführt.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden an beiden Brückentürmen die Turmhauben über den Treppenhäusern abgenommen und durch Betonplattformen ersetzt. Im Krieg wurden dort insgesamt vier Flakgeschütze zur Brückenverteidigung aufgestellt. Am 20. März 1945 wurde die Brücke durch die, sich zurückziehende Wehrmacht gesprengt.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zur Ernst-Ludwig-Brücke.

 
Deutschlands erste große Spannbetonbrücke im Freivorbau: die Nibelungenbrücke bei Worms ("alte" Rheinbrücke vor 2005, Foto: Stadtarchiv) 
Deutschlands erste große Spannbetonbrücke im Freivorbau: die Nibelungenbrücke bei Worms ("alte" Rheinbrücke vor 2005, Foto: Stadtarchiv)
Einweihung der Nibelungenbrücke am 30.04.1953 (Foto: Stadtarchiv Worms) 
Einweihung der Nibelungenbrücke am 30.04.1953 (Foto: Stadtarchiv Worms)

Nibelungenbrücke ("alte" Rheinbrücke seit 1953)

Um die Verbindung zwischen Worms und der rechten Rheinseite nach dem Zweiten Weltkrieg wieder herzustellen, wurde zunächst eine Pontonbrücke und später eine Schleppfähre eingesetzt. Das Provisorium konnte jedoch nur den dringendsten Bedarf decken. Erst ab 1948 stand mit der behelfsmäßigen Rheinbrücke Worms, die damals als Eisenbahn- und Straßenbrücke fungierte, eine feste Rheinquerung im Raum Worms zur Verfügung.

Im Herbst 1950 wurde mit den Vorarbeiten für den Neubau begonnen. Dabei wurde der stark beschädigte (rechtsrheinische) Torturm am hessischen Ufer oberhalb der Fahrbahn abgetragen. Der drei Stockwerke hohe Sockel unterhalb der Fahrbahn blieb erhalten. Dieses Schicksal blieb dem Brückenturm auf der Wormser Rheinseite erspart. Der imposante Nibelungenturm überspannt bis heute die Fahrbahn und bietet einen repräsentativen Eingang zur Stadt.

Baubeginn für die Strombrücke mit einer Spannbeton-Hohlkasten-Konstruktion war im Mai 1951, die Einweihung fand am 30. April 1953 statt. Ihr Name geht auf die Nibelungensage zurück. Die 316 m lange Strombrücke ist "Deutschlands erste große Spannbetonbrücke im Freivorbau". Sie wurde nach einem Entwurf von Ulrich Finsterwalder und Gerd Lohmer im Freivorbau auf den Senkkästen der vorherigen Brücke errichtet. Der insgesamt 744 m lange Brückenzug weist neben der Strombrücke zwei Vorlandbrücken in Gewölbebrückenkonstruktion auf (östlich 292 m lang, westliche 137 m lang).

Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung und der dadurch entstandenen Schäden wird die Brücke derzeit durch das Land Hessen saniert. Seit September 2008 ist sie für den Verkehr gesperrt. Zur Entlastung steht seit 2008 die, parallel zur "alten" Brücke errrichtete, neue Rheinbrücke zur Verfügung. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten der "alten" Brücke soll der Verkehr vierspurig über den Rhein fließen: stadteinwärts auf der "alten" Rheinbrücke und stadtauswärts auf der "neuen".

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zur Sanierung der Rheinbrücke.

 
Die neue Rheinbrücke bei Worms (Blick aus Richtung Hessen auf den Nibelungenturm der alten Brücke) 
Die neue Rheinbrücke bei Worms (Blick aus Richtung Hessen auf den Nibelungenturm der alten Brücke)

"Neue" Rheinbrücke (zweite Brücke seit 2008)

Aufgrund großem Verkehrszuwachs und wegen Sanierungsbedürftigkeit der "alten" Nibelungenbrücke wurde am 4. Mai 2005 der Grundstein für die zweite, parallel verlaufende Rheinbrücke wenige Meter flussaufwärts gelegt. Die "neue" Rheinbrücke wurde, genau wie die "alte" Brücke, im Freivorbau errichtet und hat die gleichen Stützweiten. Die Bauaufsicht und -leitung lag beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz.

Der Neubau der Brücke wurde am 12. September 2008 vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, den Verkehrsministern von Rheinland-Pfalz und Hessen, Hendrik Hering und Alois Rhiel, sowie dem Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel, im Rahmen eines Brückenfestes eingeweiht.

Nach dem Fest wurde Mitte September 2008 mit der Sanierung der "alten" Nibelungenbrücke begonnen, für die das Land Hessen verantwortlich zeichnete. Dazu wurde der komplette Verkehr auf die neue Rheinquerung verlegt. Seit September 2013 ist die "alte" Rheinbrücke wieder für den Verkehr geöffnet. 

Damit stehen jetzt vier Spuren für die Rheinquerung zur Verfügung: Über die "alte" Nibelungenbrücke fließt der Verkehr stadteinwärts und auf der "neuen" stadtauswärts.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zum Bau der neuen Rheinbrücke sowie eine Bildergalerie zur Umfeldgestaltung der neuen Brücke.