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Hauptbahnhof Worms

Bahnhofstraße, 67547 Worms /Lage im Stadtplan

Der Wormser Hauptbahnhof ist eine auffällige Gebäudegruppe im neuromanischen Stil. Errichtet wurde sie 1903 nach den Plänen von Fritz Klingholz. Ein prägendes Beispiel des vom Wormser Stadtbaumeister Karl Hofmann "erfunden" Nibelungenstils.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zum historischen Wormser Hauptbahnhof.

Der erste Hauptbahnhof in Worms 1853 ... (Quelle Foto: wikipedia) 
Der erste Hauptbahnhof in Worms 1853 ... (Quelle Foto: wikipedia)

Verbindet Ost- und Westteil der Stadt

Der Wormser Hauptbahnhof ist neben dem Bahnhof Worms Brücke und dem Bahnhof Worms-Pfeddersheim einer von drei betrieblich genutzten Personenbahnhöfen im Stadtgebiet der rheinhessischen Stadt Worms. Er wird vom Bahnhofsmanagement Mainz verwaltet.

Der Hauptbahnhof bildet durch seine Fußgängerunterführung auch eine wesentliche Verbindung zwischen der östlichen und der westlichen Innenstadt von Worms. Täglich wird er von etwa 15.000 Menschen genutzt.


 
... der erweiterte Bahnhof zwischen 1904 und 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms) ... 
... der erweiterte Bahnhof zwischen 1904 und 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms) ...
...und heute (Quelle Foto: wikipedia) 
...und heute (Quelle Foto: wikipedia)
Steinrelief am Hauptbahnhof Worms (Foto: Stadtarchiv) 
Steinrelief am Hauptbahnhof Worms (Foto: Stadtarchiv)
Steinfigur am Hauptbahnhof Worms (Foto: R. Uhrig) 
Steinfigur am Hauptbahnhof Worms (Foto: R. Uhrig)

Prägendes Beispiel für den "Nibelungenstil"

Die Ornamente des großen, rundbogigen Eingang der Bahnhofshalle stellen die Entwicklung des Transportwesens dar. Der Fürstenpavillon (links neben dem Hauptgebäude), diente dem Empfang hoher Gäste.

Der Bahnhof ist ein prägendes Beispiel des vom Wormser Stadtbaumeister Karl Hofmann "erfunden" Nibelungenstils, ein auch überregional bedeutendes Gebäude von hervorragender Qualität und Einfallsreichtum.

Bauplastik

Das Bahnhofsgebäude wurde aufbauend von einem vom Geheimen Rat und ehemaligen Wormser Stadtbaumeister Karl Hofmann entworfenen Vorentwurf in einem für Worms typischen neuromanischen Stil gebaut. In den Ausführungen zeigen sich aber auch deutlich frühere Jugendstileinflüsse, die das Bahnhofsgebäude wesentlich verzierter aussehen lassen als andere von Hofmann entworfene Bauten, so zum Beispiel der Wormser Wasserturm, die Nibelungenschule und die Neusatzschule. Im Gegensatz zu anderen Bauten in Worms wurde jedoch für das Gebäude statt rotem Sandstein an diesem Gebäude der gelblich-weiße pfälzer Sandstein verwendet, der dem Bahnhofsgebäude einen recht behaglichen Eindruck verleiht.

Das Konzept für die Gestaltung des Bahnhofsgebäude gestalteten dabei Fritz Klingholz von der RWTH Aachen und Regierungsbaumeister Erbe. Die Details des Baus planten dabei der aus Berlin stammende Martin Herrmann und der aus Mainz stammende Architekt Panthel. Martin Herrmann hatte außerdem, mit Unterstützung von Architekt Keding, die Bauleitung. Die Modelle für die Bildhauerarbeiten fertigte außerdem der Bildhauer Vlasdek aus Mainz-Mombach, während die Steinbildhauerarbeiten von den Firmen Schill aus Wiesbaden und Hippler & Werner aus Worms gestaltet wurden.

Eintrittshalle

Am Giebel der Eintrittshalle des Wormser Hauptbahnhofs ist von der Bahnhofstraße aus das hessische Wappen und ein Drache, der die Dampfkraft sowie mitunter auch die vereinigte Königlich Preußische-Großherzogliche Hessische Eisenbahngesellschaft symbolisieren soll, zu erkennen. Außerdem befindet sich links vom Wappen ein geflügeltes Rad als Zeichen für die Eisenbahn.

Des Weiteren ist die Jahreszahl 1903 zu sehen. In diesem Jahr wurde das Bahnhofsgebäude tatsächlich fertig gestellt, der Abriss des alten Bahnhofsgebäude verzögerte jedoch die offizielle Einweihung des neuen Bahnhofs bis 1904.

Die fast 30 Meter hohe Eintrittshalle, zentral im Bahnhofsgebäude und direkt entlang der zentralen Achse zum Rhein über die Siegfriedstraße errichtet, als Gegenpart zur Nibelungenschule am anderen Ende der Blickachse, spiegelt das damalige moderne Stadttor als Übergang von den Gleisen zur Stadt dar.

Die sehr an den Jugendstil erinnerte Fassade ist reichlich durch Steinmetzarbeit geschmückt. Sie soll dabei den Fortschritt der Eisenbahn und der Erbauer der damaligen Zeit wiederspiegeln. Die 1903 fertig gestellte Fassade weist dabei einige Unterschiede zu der 1901 ursprünglich geplanten Fassung auf: Sie wirkt nun schlanker und scheint auch höher zu sein.

Im Inneren der Eintrittshalle sind außerdem zahlreiche Figurenkapitelle zu sehen, die Reisende in humoristischer Form darstellen sollen. Zudem befand sich hier anfangs ein Zugang zu einem Fahrkartenverkauf, zu einem Gepäckschalter, zur Gepäckaufbewahrung und zu den Wartesälen.

Im Zuge der Modernisierung der Eintrittshalle in den 1960er Jahren wurden das Hallenfenster, die Eingangstüren, die Bahnhofsuhr im Hallenfenster und das geschwungene Vordach abgerissen und durch neue Versionen ersetzt. Der Drache auf dem Giebel verschwand schon während des Zweiten Weltkriegs.

Hallenfenster

Das große Hallenfenster weist die auffälligste Bildhauerarbeit auf:

Auf seinem Bogenrelief ist die Geschichte des Transport- und Verkehrswesens dargestellt. Von links nach rechts sieht man einen, von einem Ochsen gezogenen Pflug, einen alten römischen Rennwagen, zwei Männer mit biblischen Weinbeeren, eine Kamelkarawane, einen mit Rindern bespannten Lastwagen, einen hanseatischen Kaufmannswagen, eine Sänfte aus der Zeit des Barock, eine Postkutsche und einen in entgegengesetzter Richtung alles überfahrenden Zug.

Außerdem finden sich hier noch andere bemerkenswerte Details wie einen Schaffner, der Fahrkarten locht, oder einen Bahnhofsvorsteher, der mit einer Glocke abfahrende Züge verkündet.

Wartesäle

Die Wartesäle des Wormser Hauptbahnhofs waren durch die Bahnsteigsperren über einen Flur mit Tonnengewölbe, der reichlich mit Figuren und Symbolen des Bauhandwerks verziert war, zu erreichen. Von hier aus konnte man außerdem Züge erreichen.

Die Wartesäle dritter und vierter Klasse (heute befindet sich dort ein Schnellrestaurant) waren üppig mit einer Holzbalkendecke, festen eingebauten Bänken und einem Fries mit Szenen aus dem Verkehrswesen eingerichtet. Hier befanden sich ebenfalls (wie bei dem Hallenfenster) Reliefs, die die Verkehrsgeschichte symbolisieren sollten.

In den Wartesälen der ersten und zweiten Klasse befanden sich auch (wie beim Eingang zum Fürstenpavillon) Szenen aus der Nibelungensage: Siegfried und Kriemhild, Nibelungenhort, Brunhild und Kriemhild sowie Siegfrieds Tod. Außerdem waren das große Tonnengewölbe sowie der große Kronleuchter im Jugendstil auffällig. Das direkt von hier aus erreichbare Speisezimmer ist außerdem mit einer geschnitzten Holzdecke und einem bemerkenswertem Fries mit Tier- und Pflanzenmotiven ausgestattet.

Fürstenpavillon

Im 19. Jahrhundert kamen nicht nur der Großherzog, sondern auch der preußische König und der deutsche Kaiser wie auch der russische Zar nach Worms. Für sie und deren Gefolge wurde der großzügig gebaute Fürstenpavillon direkt neben der Bahnhofsgaststätte errichtet.

Auf dem Giebelrelief des Fürstenpavillon sieht man dabei eine Huldigung der Stände, während man auf dem Bogenrelief Kriegsszenen aus dem Nibelungenlied sieht. Als Figuren sind auf der Frontseite des Fürstenpavillons zur Bahnhofstraße der ehemalige Stadtbaumeister Karl Hofmann mit dem Fürstenpavillon in der Hand (inspiriert vom Südportal des Doms) sowie ein Eisenbahner, der Züge mit einer Glocke abruft.

Bahnpost

Das heute als Kulturdenkmal geltende Gebäude für die Bahnpost wurde zeitgleich 1903 mit dem benachbarten Bahnhofsgebäude neu gebaut. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg erheblichen Schaden erlitten hatte, wurde es nur notdürftig wieder aufgebaut.

Das heute noch erhaltene Erdgeschoss besitzt Formen der Neuromanik. Außerdem weist es wie das Bahnhofsgebäude dekorative Verzierungen des Jugendstils mit sehr guter Qualität auf.

Der Eingangsbereich des Gebäudes ist als Loggia ausgeführt. Zudem besitzt das Gebäude an architektonischen Besonderheiten rundbogige Fenster, die Mauerstücke zwischen ihnen sind außerdem reich mit Ornamenten geschmückt. Außerdem sind die weiteren Eingangstüren des Gebäudes von originaler Qualität. Darüber hinaus besitzt das Gebäude einen reich verzierten Erker.

 
Eingangshalle um 1920 (Foto: Stadtarchiv Worms)    
Eingangshalle um 1920 (Foto: Stadtarchiv Worms)
Kiosk im Bahnhofsgebäude vor 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms)  
Kiosk im Bahnhofsgebäude vor 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms)
Esszimmer mit einem dazugehörigem Schankraum auf der linken Seite der Empfangshalle. Dahinter befanden sich die Wartesäle dritter und vierter Klasse - vor 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms)  
Esszimmer mit einem dazugehörigem Schankraum auf der linken Seite der Empfangshalle. Dahinter befanden sich die Wartesäle dritter und vierter Klasse - vor 1945 (Foto: Stadtarchiv Worms)

Zur Geschichte des Bahnhofs

1853 - der erste Bahnhof für Worms

Insgesamt sechs Jahre diskutierte man in Worms über die Lage des neuen Bahnhofs. Der Wormser Gemeinderat plädierte dabei aufgrund der Nähe zur Stadt und zum Rheinhafen für eine Lage am heutigen Rheintorplatz. Durchgesetzt hat sich jedoch am 21. September 1852 die Hessische Ludwigsbahn mit ihrer favorisierten Lage am alten Friedhof, dem heutigen Albert-Schulte-Park.

Am 24. August 1853 wurde schließlich die Bahnstrecke von Mainz nach Worms eröffnet und drei Monate später, am 15. November, folgte der Anschluss nach Ludwigshafen am Rhein in der Pfalz. Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke nach Mainz hatten die Wormser nun direkten Anschluss an das rechtsrheinische Mainz-Kastel, von dort aus nach Frankfurt am Main, und von dort aus sogar bis nach Berlin.

Über die Pfälzische Ludwigsbahn konnte man nun ab Ludwigshafen am Rhein über Saarbrücken und Forbach (Moselle) nach Frankreich reisen, ab Mannheim konnte man in Züge der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen steigen. Nach anfänglicher Unterschätzung des Güterverkehrs, wurden in den folgenden Jahren am Wormser Bahnhof Verladerampen, ein Güterschuppen und ein Rangierbahnhof gebaut.

Jetzt gab es auch reguläre Güterzüge: Von ganz Südhessen und Rheinhessen kamen nun Zuckerrüben, Getreide, Kohle und einiges mehr zu den Fabriken, Mühlen und Häfen in Worms. Die Eisenbahn in Worms gab der Industrie und der Bevölkerung einen sehr großen Zuwachs: 1849 hatte Worms ohne die Eisenbahn nur 89 Arbeiter in Fabriken, 1858 waren es mit der Eisenbahn über 2000.

Nachdem sich der Eisenbahnanschluss in Worms als ein großer Erfolg herausgestellt hat, beschloss man den Ausbau des Schienennetzes: In den 1860er Jahren wurden schließlich die Nibelungenbahn nach Bensheim und die Rheinhessenbahn nach Bingen am Rhein gebaut.

Erweiterung 1871

Als der Personenverkehr immer mehr zunahm, reichte das alte Empfangsgebäude in seiner Größe nicht mehr aus. 1871 schließlich erweiterte man das alte Gebäude erheblich. Das Wormser Empfangsgebäude war nun ein zeitgenössischer Bau im Stil des Historismus. Man gelangte im Gebäude von der verglasten Vorhalle zum Wartesaal "I. und II. Classe", zum Wartesaal "III. Classe" und zum Fürstlichen Zimmer.

Außerdem gab es jetzt Schlafzimmer für die Conducteure, Besprechungszimmer sowie Räume für die lokale Eisenbahnverwaltung. Zudem befanden sich entlang der Friedhofstraße (heute Bahnhofstraße) eine Laderampe mit einer Drehscheibe, ein Bahnübergang, der in die Liebenauer Straße, Güterhallenstraße und zum Güterbahnhof führte, ein Lokschuppen mit Werkstatt, Magazin, Schiebebühne, Drehscheibe und Gaswerk. Der Lokschuppen wurde dabei erst 1900 nach der Verstaatlichung zur Preußisch-Hessischen Staatsbahn durch das Bahnbetriebswerk in der Bensheimer Straße in Worms ersetzt.

Mit dem Bau weiterer neuer Eisenbahnstrecken wurde der Wormser Bahnhof immer mehr ausgelastet. Zudem gab es, eingepfercht zwischen Bahnhofstraße und Güterhalle, nur drei Bahnsteige. Dabei wurde der dritte Bahnsteig auch noch oft durch Rangieren und das Abstellen von Güterzügen blockiert. Es folgten viele und aufgeregte Aufrufe aus der Bevölkerung, man solle sich endlich um den weiteren Ausbau der Bahnhofsanlage bemühen.

Neuer Bahnhof am 31. März 1904 eingeweiht

1890 verlangte schließlich die Wormser Stadtverordnetenversammlung einen Umbau bzw. Neubau der Bahnhofsanlage. Sie begründete ihre Entscheidung mit steigendem Passagieraufkommen, das kaum noch gut abgefertigt werden könne, sowie mit dem alten Empfangsgebäude, das nicht mehr zeitgemäß sei. In der Folgezeit gab es heftige Diskussionen um den neuen Standort des Wormser Bahnhofs.

Die Hessische Ludwigsbahn befürwortete, das neue Bahnhofsgebäude auf die Höhe der Gaustraße bzw. des Neuhausener Tunnels zu verlegen. Am Ende entschied man sich jedoch für einen Neubau des Bahnhofs auf dem Platz des vormaligen Bahnhofsgebäudes. Der neue Wormser Bahnhof hatte jetzt zehn Gleise, von denen die Hälfte Durchgangsgleise von Ludwigshafen am Rhein und Kaiserslautern nach Mainz und Frankfurt am Main waren.

Nach etwa zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde das neue, heute denkmalgeschützte Empfangsgebäude und die neuen Bahnsteige am 31. März 1904 offiziell eingeweiht. In der etwa 110 Meter langen Frontseite des Gebäudes zur Bahnhofstraße dominiert die Empfangshalle, rechts daneben die Gepäckabfertigung und dann die Verwaltung. Auf der linken Seite der Empfangshalle befanden sich die Wartesäle dritter und vierter Klasse, davor ein Esszimmer mit einem dazugehörigem Schankraum, dahinter ein Korridor, links davon wiederum die Wartesäle erster und zweiter Klasse sowie die Wohnung des Bahnwirts.

Am linken Ende des neuen Bahnhofgebäudes befand sich außerdem der Fürstenpavillon. Hiervon wiederum links versetzt baute man des Weiteren ein Gebäude für die Bahnpost.

Krieg hinterließ erhebliche Schäden

Der Zweite Weltkrieg führte zu erheblichen Schäden am Wormser Hauptbahnhof: So waren infolge eines Bombardements vom 18. März 1945 sowohl alle Gleise und Stellwerke wie auch das Bahnbetriebswerk mit Rechteckschuppen, Ringlokschuppen und Werkstätten sowie der Güterbahnhof und die Bahnmeisterei völlig zerstört worden. Zudem war das Empfangsgebäude stark beschädigt worden.

In der Folgezeit brauchte es bis Mitte 1945, bis wieder regelmäßig Züge fuhren. Trotzdem waren bis Ende 1945 noch 38 von 53 km Gleisanlagen im Wormser Hauptbahnhof nicht befahrbar, sodass zu diesem Zeitpunkt Richtung Mainz immer noch keine Züge fahren konnten. Erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, etwa ab 1950 normalisierte sich die Lage des Eisenbahnverkehrs in Worms wieder.

(Quelle: Wikipedia)