13.12.2021 / Stadtgeschichte

Städtisches „Eidbuch“ erschlossen

Das sogenannte "Eidbuch" des Rates der Stadt Worms aus dem 15. Jahrhundert wurde im Rahmen eines Projekts des Stadtarchivs von der Wissenschaftlerin Viktoria Köllner erstmals inhaltlich erschlossen und beschrieben.

Beispielseite aus dem "Eidbuch" des Rates der Stadt Worms vom 15. Jahrhundert.
Beispielseite aus dem "Eidbuch" des Rates der Stadt Worms vom 15. Jahrhundert.
© Stadtarchiv Worms Abt. 1 Nr. B 23, Fotograf: Stadt Worms

Stadtarchiv macht wichtige Quelle nutzbar

Die nahezu totale Zerstörung der Stadt im Jahre 1689 hat Worms nicht zuletzt unwiederbringlicher Teile seines Stadtgedächtnisses, des bis in das Jahr 1074 zurückreichenden Archivs, beraubt. Dadurch fehlt gerade für die mittelalterliche Blütezeit von Worms vieles an Quellen, die Einblick in die Entwicklung der Stadt gewähren könnten. Zu den glücklicherweise bis heute erhaltenen "Perlen" der Überlieferung gehört dabei ein im Wesentlichen während des 15. Jahrhunderts geführter Pergamentkodex des Stadtarchivs, das sogenannte "Eidbuch" des Rates der Stadt, das bislang kaum nutzbar war; sein Inhalt war bislang nur punktuell näher erfasst worden. 

Das zentrale Dokument mit der Archivsignatur "Abteilung 1B Reichsstädtisches Archiv Nr. 23" war 1999 verfilmt und 2015 digitalisiert worden und konnte jetzt im Rahmen eines Projekts des Stadtarchivs durch eine kompetente Wissenschaftlerin erstmals inhaltlich erschlossen und beschrieben werden. Damit ist es für die auch vergleichende Forschung zur Wormser Stadtgeschichte im späten Mittelalter nutzbar.

Das 124 Blatt Pergament umfassende Amtsbuch (der Einband aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts besteht aus einem Holzdeckel, überzogen mit weißem Leder und Messingschließen) enthält vor allem Verzeichnisse der durch Amtsträger, Zunftangehörige oder Wormser Bewohner zu leistenden Eidestexte, daneben Verordnungen, Urkundenabschriften und punktuell offizielle Aufzeichnungen betreffend den Streit des Rates mit Bischof beziehungsweise Geistlichkeit.

Wie in anderen bedeutenden mittelalterlichen Städten hatte der Stadtrat auch in Worms um 1400 die Bemühungen um schriftliche Fixierung von Rechtstexten durch Anlage eines Stadtbuches für juristische und Verwaltungszwecke forciert. Die Eintragungen reichen dann bis in das 16. Jahrhundert weiter und waren für das Handeln der Obrigkeit von großer Bedeutung.

Die kundige Bearbeiterin Viktoria Köllner (Beltheim/Heidelberg), Germanistin und Historikerin, hat die Einträge in 305 sogenannten Regesten, also Zusammenfassungen des Inhalts, beschrieben und ältere Teilabschriften des 19. Jahrhunderts eingearbeitet. Mit dem Vorhaben verbindet sich die Hoffnung, dass ebenso ein Beitrag zur intensiveren Erforschung der Wormser spätmittelalterlichen Geschichte geleistet wie auch ein weiterer Baustein in der Erschließung mittelalterlicher Stadtbücher insgesamt vorgelegt wird.

Service:

Die Regesten samt einer Einleitung, Registern und einer Auswahl von Abbildungen finden sich auf dem Server der Universitätsbibliothek Heidelberg als elektronische Ressource (pdf, 164 Seiten), eine gedruckte Publikation ist für das Jahr 2022 geplant.

Quelle: Stadtarchiv Worms

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