05.06.2024 / Gedenken

Manche geben alles - Trauer um toten Polizisten

Vor der gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss und Bauausschuss gedachte Oberbürgermeister Adolf Kessel des im Einsatz tödlich verletzten Polizisten aus Mannheim.

Gedenken an toten Polizisten aus Mannheim
Gedenken an toten Polizisten aus Mannheim

Die Ansprache im Wortlaut

"Schier fassungslos macht es uns, wenn ein Mensch, der sein Berufsleben dem Dienst an der Gesellschaft und der Demokratie gewidmet hat, auf solch abscheuliche Weise sein Leben verliert wie der junge Polizist aus Mannheim. Als ehemaliger Polizeibeamter bin ich ganz persönlich zutiefst betroffen über den sinnlosen Tod des Mannes, der fast sein ganzes Leben noch vor sich hatte.

Betroffen macht mich jedoch nicht nur diese grausame Tat, sondern auch der Umgang der Öffentlichkeit mit dem Vorfall. Zwar stehen weite Teile der Bevölkerung hinter unserer Polizei, doch insbesondere in den sozialen Medien werden immer wieder auch Stimmen laut, die die Einsatztaktik kritisieren oder sich gar daran erfreuen, wenn ein Polizist tödlich verwundet wird. Solche Reaktionen beschämen mich zutiefst. Mir ist bewusst, dass einsatztaktische Maßnahmen für Laien oft schwer nachvollziehbar sind und mir ist ebenfalls bewusst, dass nicht alle Menschen hinter unserer Polizei stehen – dass man jedoch diese Gedanken angesichts einer solchen Tragödie, die so viele Menschen direkt und indirekt betrifft, öffentlich äußert, empfinde ich als äußerst befremdlich. Wir alle wissen, dass in der heutigen Zeit kaum ein Vorfall im Verborgenen bleibt: Videos von Straftaten aller Art machen schneller die Runde, als die Polizei Ermittlungsteams zusammenstellen kann, und einige Menschen fühlen sich leider immer wieder dazu berufen, Sekundenentscheidungen der Einsatzkräfte und einsatztaktische Vorgehensweisen anhand solcher Aufnahmen zu beurteilen. Wir alle sollten uns jedoch Gedanken darüber machen, was solche Verhaltensmuster für diejenigen Menschen bedeuten, die unmittelbar betroffen sind.

Erst kürzlich haben wir in Worms einen Vorfall erlebt, der ebenfalls aufgrund von im Netz geteilten Videoaufnahmen hohe Wellen schlug. Auch dort wurde Kritik am Vorgehen der Polizei laut, auch dort mussten sich die Beamten vorwerfen lassen, „falsch“ reagiert zu haben. Dass der mutmaßliche Täter jedoch mit einem robusten Kantholz um sich schlug und offenbar keine Hemmungen hatte, diese Waffe auch gegen Polizeibeamte einzusetzen, wurde zwar in dem Video deutlich – der Täter schlug nämlich auf die Scheibe des Polizeiwagens ein, obwohl noch ein Kollege hinter dem Steuer saß und dabei durchaus hätte verletzt werden können – wird dabei offenbar übersehen. Wie schnell enthemmte Menschen zielgerichtet auch Polizeibeamte verletzen können, selbst im Beisein mehrerer Kollegen, wurde in Mannheim mehr als deutlich. Ich bin deshalb dankbar für die Einsatzkräfte vor Ort, die den Täter stoppen konnten, bevor er weitere Zivilisten verletzen konnte.

Bei aller Kritik an Einzelnen erlebe ich vor dem Hintergrund dieser furchtbaren Ereignisse jedoch vor allem eines: eine große Solidarität mit unserer Polizei. Der schreckliche Angriff auf den jungen Mann in Mannheim hat schier überwältigende Reaktionen innerhalb der Bevölkerung ausgelöst. Die Aufnahmen, die zeigen, wie Bürger am Mannheimer Marktplatz Spalier stehen für die trauernden Polizistinnen und Polizisten und ihnen spontan Beifall klatschen, um ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen, haben mich tief bewegt. Auch innerhalb unserer Mitarbeiterschaft ist die Anteilnahme immens. Spontan machten etliche Kolleginnen und Kollegen von der Möglichkeit Gebrauch, sich auf einer Kondolenzliste für die Polizistinnen und Polizisten in Mannheim einzutragen. Viele von ihnen brachten dabei auch mit persönlichen Worten ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Ein besonders bewegendes Zitat möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

„Rouven war ein außergewöhnlicher Mensch und ein außergewöhnlicher Polizist, dessen Wirken nicht hoch genug angesehen werden sollte. Ich habe größten Respekt vor diesem jungen Kollegen und bin als Mensch höchst entsetzt über diese schlimme Tat, die ihre Schatten in die Zukunft werfen wird.”

Die Kondolenzliste werden wir zusammen mit einem Kondolenzschreiben an die Kolleginnen und Kollegen in Mannheim übermitteln.

„Einer von uns“ ist die Losung der Stunde. Ein Polizeikollege des verstorbenen Beamten teilt seine Gedanken in den sozialen Medien. Er berichtet von seinen Gefühlen, die der Tod seines Kollegen in ihm hervorrufen, er schildert seine Trauer und seine Wut, die die Tat in ihm weckt. Und er stellt sich selbst die Frage: Ist es das wert? Ist es wert, zum Schutz unserer Demokratie und Meinungsfreiheit das eigene Leben aufs Spiel zu setzen? Und ich teile deshalb die Gedanken des Polizeibeamten, weil seine Antwort darauf ein klares „Ja“ ist. Es geht um nicht weniger als unsere Freiheit und Sicherheit, für die unsere Polizeibeamtinnen und -beamten tagtäglich sorgen. Was wäre unser Land ohne diese engagierten Kolleginnen und Kollegen? Wer unsere Polizei, Rettungs- und Sicherheitskräfte angreift, greift unsere offene Gesellschaft an. Wir müssen uns deshalb entschlossen dagegenstellen. Unsere Polizei benötigt mehr denn je Unterstützung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Auch die Politik muss die Gefahren, denen Einsatzkräfte oftmals ausgesetzt sind, ernst nehmen und mit Entschlossenheit dagegenhalten.

Ich möchte mit einem Zitat schließen, das in den sozialen Medien im Zusammenhang mit den Ereignissen aus Mannheim gerne verwendet wird: „Alle geben etwas und manche geben alles“. Der verstorbene Polizeibeamte Rouven L. hat nicht weniger gegeben als sein Leben. Dafür gebührt ihm unsere allerhöchste Ehre.

Ich möchte Sie bitten, sich zu einer Schweigeminute zu erheben."

Polizei Mannheim Trauer
Polizei Mannheim Trauer
Quelle: Stadt Worms

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