Der langjährige Finanzreferent für die Stiftung Hospital Neuhausen zu Horchheim, Wilhelm Kaiser, ist im Alter von 97 Jahren verstorben.

Bereits im Januar 2007 erhielt Wilhelm Kaiser für sein jahrzehntelanges Engagement die Verdienstmedaille der Stadt Worms. Oberbürgermeister Adolf Kessel würdigt seine Verdienste in einem Kondolenzschreiben an die Familie des Verstorbenen. „Wilhelm Kaiser gehörte nicht zu den Personen, die in ihrer Tätigkeit große Aufmerksamkeit auf sich zogen. Er wirkte eher im Stillen, aber mit großer Zuverlässigkeit und Kontinuität“, betont der OB.
Nicht zuletzt dank seiner verlässlichen und gewissenhaften Arbeit hinter den Kulissen konnte die Stiftung Hospital Neuhausen zu Horchheim immer wieder sozial benachteiligte Menschen unterstützen sowie Projekte im sozialen oder kulturellen Bereich anstoßen und umsetzen.
Die Geschichte der Stiftung reicht bis zu ihrer Gründung ins Jahr 1729 zurück, als Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg diese als Träger eines Hospitals für Waisenkinder im heutigen Stadtteil Neuhausen ins Leben rief.
Heute unterstützt sie hilfsbedürftige Menschen in Worms und weiteren Ortschaften (im südlichen Rheinhessen) des ehemaligen Bistums Worms. Bis ins Jahr 1789 wurden in dem Kinderhospital Mädchen und Jungen ohne Eltern betreut. Neben Waisenkindern kümmerte sich die Stiftung auch um Witwen mit Kindern sowie Menschen, die alters- oder krankheitsbedingt keiner Erwerbstätigkeit nachgehen konnten. Menschen in akuten Notlagen (etwa durch Ernteausfälle) erhielten Darlehen aus dem Stiftungsvermögen.
Später, am Ende des 18. Jahrhunderts, entstand aus dem Vermögen des Hospitals ein staatliches Hospital. Heute existiert das frühere Hospital unter der Aufsicht einer Hospitalkommission mit Ländereien, die Bischof Franz Ludwig der Stiftung vermacht hatte, und wird getragen von elf Mitgliedsgemeinden. Diese elf Gemeinden erhalten jährlich einen festgelegten Anteil an den Erträgen der Stiftung, die die Mittel an vorrangig an Waisen, Halbwaisen und erwerbsunfähige Menschen weitergeben, womit das Stiftungsziel bis heute erhalten geblieben ist. Überschüssige Mittel können zudem an karitative Einrichtungen ausgezahlt werden.
Wilhelm Kaiser oblagen über viele Jahre hinweg sämtliche Verwaltungsaufgaben der Stiftung, insbesondere die Erstellung der Jahresabschlussrechnungen. „Während seiner gesamten Amtszeit gab es niemals Anlass zu Beanstandungen – ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Kompetenz, Gewissenhaftigkeit und Integrität“, hebt Adolf Kessel hervor.
Für seine Leistungen wurde Wilhelm Kaiser nicht nur mit der Verdienstmedaille der Stadt Worms gewürdigt; bereits 2005 erhielt er den „Horchheimer Teller“. „Die Verleihung der Verdienstmedaille der Stadt Worms im Jahre 2007 war schließlich Ausdruck des Dankes und der Wertschätzung für sein herausragendes ehrenamtliches Wirken – ein Wirken, das weit über seinen Tod hinaus nachhallen wird“, unterstreicht der Oberbürgermeister.