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Kaiser Friedrich - "Märchenhochzeit" im Wormser Dom

Was mussten die Wormser gestaunt haben: 1235 heiratete Friedrich II, römisch-deutscher Kaiser und König von Jerusalem, im Wormser Dom eine englische Prinzessin. Mit Kamelen, Affen und wilden Tieren ging es durch die Stadt.

Friedrich II. mit seinem Falken.  Aus seinem Buch "De arte venandi cum avibus" (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen), sogenannte Manfred-Handschrift (Biblioteca Vaticana, Pal. lat 1071), spätes 13. Jahrhundert (Quelle: wikipedia) 
Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch "De arte venandi cum avibus" (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen), sogenannte Manfred-Handschrift (Biblioteca Vaticana, Pal. lat 1071), spätes 13. Jahrhundert (Quelle: wikipedia)
Hochzeit von Friedrich II. mit Isabella von England 1235 in Worms (Relief am Wormser Rathaus, Foto: Stadtarchiv Worms) 
Hochzeit von Friedrich II. mit Isabella von England 1235 in Worms (Relief am Wormser Rathaus, Foto: Stadtarchiv Worms)

Friedrich II. heiratete Isabella (Elisabeth) von England im Wormser Dom

Am 15. Juli 1235 heiratete Friedrich II. in dritter Ehe im Wormser Dom Isabella Plantagenet, auch Elisabeth genannt (* 1214; † 1. Dezember 1241 in Foggia). Sie war eine Tochter von König Johann Ohneland, Nichte von Richard Löwenherz und zu jener Zeit die Schwester des englischen Königs Heinrich III. Friedrich war etwa 20 Jahre älter als sie.

Die Vermählung wurde mit einem aufwändigen exotischen Festzug gefeiert. Der zeitgenössische Chronist Gottfried von Viterbo schreibt:

„Er aber fuhr, wie es der kaiserlichen Majestät geziemt, in großer Pracht und Herrlichkeit einher, mit vielen Wagen, beladen mit Gold und Silber, Batist und Purpur, Edelsteinen und kostbaren Geräten, mit vielen Tieren, nämlich Kamelen und Dromedaren, angeführt von Sarazenen, die verschiedener Künste kundig waren, schließlich Affen und Leoparden, geführt von Äthiopiern, die sein Geld und seine Schätze bewachten.“

Der Festzug endete am Dom.

 
 
 

Wer war Friedrich II.?

Friedrich II. (* 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona; † 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera) aus dem Haus der Staufer war von 1220 bis zu seinem Tod römisch-deutscher Kaiser. Er war der Sohn Kaiser Heinrichs VI. und Konstanzes von Sizilien.

Der Kaiser über das Heilige Römische Reich wurde auch "stupor mundi" – das Erstaunen der Welt - genannt. Er war hochgebildet und beherrschte mehrere Sprachen, angeblich unter anderem Italienisch, Französisch, Latein, Griechisch, Mittelhochdeutsch und Arabisch. Er gilt allgemein als ein „Wunderwesen“ unter den deutschen Herrschern des Mittelalters und wurde sogar als der „erste moderne Mensch auf dem Thron“ (Jacob Burckhardt) bezeichnet.

Der Grund für diese Einschätzung war vor allem, dass er teilweise mit modern anmutenden Mitteln versuchte, das universale Kaisertum zu behaupten. Mit seinem Tod wird in der modernen Forschung der Beginn des so genannten Interregnums von 1250 bis 1273 angesetzt.

König von Jerusalem

Friedrich hatte sich selbst gegenüber dem Papst zum Kreuzzug in das Heilige Land verpflichtet. Am 9. November 1225 hatte er in Brindisi die Königin von Jerusalem, Isabella II. (Jolande) geheiratet und sich selbst am gleichen Tag zum König von Jerusalem erklärt. Isabella starb bereits 1228 bei der Geburt des späteren Konrad IV., hatte aber damit den Anspruch auf Jerusalem an die staufische Dynastie weitergegeben.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich Friedrich von seinen Zeitgenossen unterschied, war der Kreuzzug in das Heilige Land. Als intimer Kenner der arabischen Mentalität „eroberte“ er Jerusalem durch langwierige Verhandlungen und einen Vertragsschluss.

Dass in der christlichen Welt friedliche Verhandlungen anstelle einer kriegerischen Eroberung als Hochverrat betrachtet wurden, war Friedrich gleichgültig. Seither betonten Friedrich und seine zahlreichen Anhänger, darunter auch Theologen, den messianischen Charakter seines Kaisertums, was im Kampf mit dem Papsttum dahingehend umgedeutet wurde, Friedrich sei der Kaiser der Endzeit, der Friedenskaiser.

 
 
 
 

Der schlafende Kaiser im Kyffhäuser-Gebirge

Mit dem Machtverlust des Königtums im Interregnum nach Friedrichs Tod entstand in Deutschland die Legende vom Kaiser Friedrich, der im Kyffhäuser-Gebirge schlafe (in Sizilien schlief er allerdings im Ätna) und nach seinem Aufwachen das Reich zur Größe zurückführen werde.

Erst im 16. Jahrhundert wurde diese Legende auf seinen Großvater, Friedrich I. Barbarossa, übertragen. Diesen Volksglauben nutzten mehrere Menschen aus und gaben sich für den zurückgekehrten Kaiser aus, so zum Beispiel Tile Kolup (auch Dietrich Holzschuh genannt) 1284 zunächst in Köln, später in Neuss und Wetzlar.

Quelle:

 
 
 

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