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Die Entdeckung der Burg Stein

Die Reste der ehemaligen Burg Stein (Hessen), sind im Steiner Wald an der Weschnitz-Mündung zu finden. Der Ort Ibersheim liegt zwar auf der anderen Rheinseite, ist aber mit nur ca. 2 Kilometer Luftlinie näher als andere. Auch die Beziehungen zwischen Ibersheim und der Burg waren im Laufe der Zeit vielfältig und eng gewesen.

Burg Stein

vergessen und wieder entdeckt

Die Burg Stein ist eine der wenigen Niederungsburgen am Rhein und zugleich eine der ältesten in unserer Gegend. Bereits die Römer hatten an dieser Stelle eine Schiffslände errichtet, um ihre Steinmetzarbeiten aus dem Felsenmeer im Odenwald bis nach Trier verschiffen zu können. Dafür hatten sie sogar der Weschnitz einen kürzeren Weg zum Rhein gegraben und damit eine andere Mündung gegeben.

Später hatte die Burg noch wichtige Funktionen, bis sie nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg in Vergessenheit geriet und durch Steinraub verschwunden ist. Vorher hatte Matthäus Merian den unzerstörten Zustand noch festhalten können. Lange Zeit erinnerte nur noch der sumpfige Auenwald mit Namen Steiner Wald daran. Die Ibersheimer hätten gerne nach dem Zweiten Weltkrieg eine Straße nach der Burg Stein genannt, aber sie wussten nicht, wo die Burg liegt und erinnerten nur mit der Steinerwaldstraße an die langen Beziehungen zur anderen Rheinseite daran.

Im September 1957 gab es einen sehr seltenen Zufall. Bei Erdgasbohrungen stieß man direkt auf Fundamentreste der Burg. Der Autor war Zeuge als damals der langjährige Ibersheimer Bürgermeister Otto Feldmann von einer Bürgermeisterversammlung des Landkreises Worms zurückkehrte und in der elterlichen Gastwirtschaft davon berichtete.

Die Firma Gewerkschaft Elwerath, Hannover (später BEB, dann Wintershall (BASF-Tochter) und heute Exxon Mobil) hatte die Konzession für Erdgasbohrungen in dieser Gegend links und rechts des Rheines. Auch in dem Steiner Wald musste ein Bohrturm errichtet werden. Für die Arbeiter war es ein Schnakenwald gewesen. Als das schwere Bohrgestänge endlich, mitten im feuchten Auenwald, errichtet war, ging es los mit der ersten Bohrung.

Kurze Zeit nach dem Anlaufen der Bohrwerkzeuge staunte und fluchte der Bohrmeister zugleich, denn er war auf Felsen gestoßen, was er hier im Oberrheintalgraben, aufgeschüttet mit Kies und Sand, überhaupt nicht vermuten konnte. Es musste ein anderer Bohrer her, der nach wenigen Tagen montiert war. Das freudige Ereignis mit dem Bohren durch den Felsen währte aber auch nicht lange und es ging nach wenigen Metern, "wie durch Butter", nach unten.

Was war jetzt passiert? Keine Ahnung! Aber jetzt wurde wieder der zuerst montierte Bohrer daran gehängt. Nach vielen Wochen war man im März 1958 in einer Tiefe von 2415 Metern, in den Pechelbronner Schichten des unteren Oligozäns, angelangt. Der Autor erhielt bei einem Besuch von dem damaligen Fördermeister Karl-Heinz Kreuschner in Biebesheim eine fachliche Erläuterung der Bohrtechnik und zur Erinnerung ein Bohrprotokoll mit dem Buch "Chronik des Betriebes Stockstadt der Gewerkschaft Elwerath".

Eine große Sensation war für die Bevölkerung der umliegenden Orte die Entdeckung der Burg gewesen. Diese Stelle ist auf einmal zu einem Ausflugsziel geworden. Wer damals in die Nähe des Steiner Waldes kam, brauchte nicht mehr nach dem Weg zu fragen. Alles lief in eine Richtung zu dem bekannt gewordenen Loch. Es befand sich im rheinseitigen Fundament der römischen Schiffslände, ungefähr im ersten südlichen Drittel.

Später hatten die Kinder ihren Spaß am Zuschütten des Bohrloches und noch später wurde das ganze Fundament mit Platten geschützt. Jetzt kann die ursprünglich, durch reinen Zufall entdeckte genaue Fundstelle wieder entdeckt werden.

Ein Beitrag von: Edmund Ritscher, Mannheim - 3.12.2012

 
 
 

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