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Die "Fraa Aaijerkischt" und andere Kurzgeschichten

Lesen Sie hier von der "Fraa Aaijerkischt", dem Polizisten, der seiner eigenen Frau einen Strafzettel verpasste und den vergessenen Fahrgästen der "Elektrisch" (Anmerkung: die damalige Straßenbahn)

"Eierkischt" und Hermann - zwei Wormser "Originale" (Quelle: Stadtarchiv Worms, M26782) 
"Eierkischt" und Hermann - zwei Wormser "Originale" (Quelle: Stadtarchiv Worms, M26782)

Die Fraa Eierkischt und die schepp Kett

Auch ich möchte eine Anekdote aus meiner Jugendzeit (1941) und auf der Mainzer Strasse 77 aufgewachsen beitragen. Ich kannte eine Frau die auch in dieser Gegend gewohnt haben musste, die wir immer mit Ihrem Spitznamen "Aaijerkischt" (Eierkiste) gerufen hatten. Es wurde dann polizeilich verboten.
In einer Neujahrsnacht legte man ihr einen Kanonenschlag in ihre Tasche, die Sie immer bei sich trug. Es muss einen furchtbaren Knall gegeben haben und darauf lief sie in das nahe gelegene Polizeirevier in der Mainzer Straße und wollte sich beschweren. Mein stets freundlicher Vater, der gerade Dienst hatte, begrüßte Sie mit den Worten "Na, Aaijerkischt, was gibt`s". Da war die Aufregung groß. Mein Vater hatte Sie dann wieder schnell beruhigt. Ihre Tasche und das Geschirr, das sich darin befand, war kaputt.


Eine Ergänzung von Elke Schilling-Laubmeister, Schweiz:
„Fraa Aaijerkischt“ war geistig wohl etwas zurückgeblieben und die „schepp Kett“ hatte eine stark auffallende körperliche Beeinträchtigung, da sie sich O-füssig fortbewegte und man sich wunderte, dass sie immer noch die Kontrolle über ihre Beine und Füße behielt und nicht stolperte.
Kinder können recht grausam sein, wenn sie eine Anomalie feststellen.

So war es auch damals, wobei zu sagen ist, dass die „schepp Kett“ nur ihren Übernamen ertragen musste, während es mit der „Aaijerkischt“ ganz andere Ausmaße annahm. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich jeweils die Nachricht, wenn die „Aaijerkischt“ unterwegs war. Da sich diese Frau auch noch entsprechend verhielt, liefen ihr die Kinder scharenweise, lauthals „Aaijerkischt“ brüllend, hinterher. Sie war wirklich ein armes Menschenkind, wenn ich heute darüber nachdenke.

Nachträglich bin ich froh, dass mir meine Mutter verboten hatte, wenn ich eine solche Szene wieder einmal erleben sollte, mich daran zu beteiligen. Schlimm war halt, dass diese Frau mit ihrem Benehmen auch stets dazu beitrug, irgendwie die Meute auf sich aufmerksam zu machen.
Ist ihr das dann gelungen, geriet sie verständlicherweise in Panik.
Stets war sie mit ihrer Tasche kreuz und quer durch Worms unterwegs und somit stadtbekannt.


Erinnerung von P. Binnefeld, Limburgerhof:
Sie wurde tatsächlich, wo immer sie auftauchte, mit diesem Namen gehänselt. Als ich mit meiner Mutter in der  in Worms  noch verkehrenden "Elektrisch" (Anmerkung der Redaktion: "Straßenbahn") fuhr, hatten sich alle Fahrgäste plötzlich die Nase an den Straßenbahnfenstern plattgedrückt, als die "Eierkischt", wieder provoziert, am Rheintorplatz zornentbrannt mit dem Inhalt ihrer Taschen um sich warf. Ich kann mich noch an eine Bürste erinnern, welche durch die Luft flog.

 
Straßenbahn nach Pfiffligheim (Quelle: Stadtarchiv) 
Straßenbahn nach Pfiffligheim (Quelle: Stadtarchiv)

Der Polizist, der seiner Frau einen Strafzettel ausstellte:

Ich weis auch von meinem Vater, dass es früher in Worms einen Polizisten gab mit dem Namen Pfützenmann*. Als seine Frau mit dem Rad falsch herum in einer Einbahnstraße fuhr, gab er ihr einen Strafzettel. Ein Kollege sagte zu ihm "das kannst du doch nicht machen das ist doch Deine Frau". Da gab er zur Antwort " Jeder macht seins". So entstand das geflügelte Sprichwort (auch bei uns zu Hause). "Jeder macht seins", sagte der Pfützenmann und gab seiner Frau ein Protokoll.

* Name von der Redaktion geändert



Die vergessenen Fahrgäste der "Elektrisch"

1946 ist meine Mutter mit uns Kindern nach Pfiffligheim in die Landgrafenstr. 68 gezogen. In der Landgrafenstr. war auch eine Endstation der Straßenbahn mit Ausweichgleis. Auf diesem Ausweichgleis wurde der Anhänger der Straßenbahn abgestellt und beim Abfahren nach Worms wieder angehängt.
So mancher Fahrer hatte den Anhänger samt Fahrgästen einfach vergessen und ist weiter nach Worms gefahren. Da war der Ärger groß.

Auch als Kinder sind wir oft auf dem Trittbrett der Straßenbahn eine Weile mitgefahren und dann abgesprungen. Manches mal wurde auch die Tür von innen aufgemacht und dann setzte es eine Ohrfeige. Trotzdem hatten wir Kinder, obwohl es sehr gefährlich war, unseren Spaß. Die Straßenbahn fuhr ja noch nicht so schnell wie heute!

Erinnerungen von Karola Kleinknecht
, heute Marbach am Neckar

 
 
 

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