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Ibersheimer Kindergarten seit 1939

Der älteste kommunale Kindergarten der Stadt Worms ist heute in Ibersheim. Sein Gründungsdatum fällt in eine Zeit in der jede Arbeitskraft gebraucht wurde. Die Mütter sollten für die Haus- und Feldarbeit entlastet werden. Das kam den persönlichen Umständen der Betroffenen gerade recht, obwohl die damalige nationalsozialistische Politik ein anderes Ziel hatte, nämlich die bestehenden Wohlfahrtsorganisationen zu verbieten oder zurückzudrängen.

 
 
 

Leiterinnen 1939 bis heute

 
 
 

Neue Einrichtung von Anfang an akzeptiert

In Ibersheim bestand bis dahin noch kein Kindergarten, sodass die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) mit der Gründung am 1. Mai 1939 in Ibersheim willkommen war. Die Räumlichkeiten dazu fand man schnell in dem hinteren Teil der Mennonitenkirche. 

Zwischen der bürgerliche Gemeinde Ibersheim und der Kirchengemeinde der Mennoniten konnte bereits wenige Tage später ein Mietvertrag am 9. Mai 1939 abgeschlossen werden. Danach wurde eine Umzäunung für den Spielplatz und eine eigene Toilettenanlage errichtet. Bereits am 31. Mai 1939 konnte die Wormser Zeitung berichten, dass der neue Kindergarten von 20 Kindern besucht wird. Die neue Einrichtung mit deren Leiterin "Tante Elsbeth" fand in Ibersheim allgemein guten Anklang. Ab Kriegsende 1945 wohnte Tante Elsbeth in Worms.

 

Kindergarten in Kommunalpolitik immer wichtig

Erst um 1948 konnte der Kindergarten wieder, unter der Leitung von Diakonissenschwester Martha, eröffnet werden. Für ein bis zwei Jahre war der Kindergarten verwaist. Am 1. April 1953 eröffnete Gemeindeschwester Ruth Taube, aus Norddeutschland, erneut den Kindergarten mit 40 Kindern. Dazu wurden weiterhin die Räume im hinteren Teil der Kirche genutzt.

Nach Errichtung der neuen Schule und Ortsverwaltung 1958/59 in der Killenfeldstraße, konnte der Kindergarten in die frühere Schule, in die Menno-Simons-Straße 19, einziehen. Heute ist dort der Dorfgemeinschaftsraum untergebracht. Nach der Zusammenführung der Grund- und Hauptschule von Hamm, Eich und Ibersheim, im Schulzentrum Eich, am 1. August 1971 konnte der Ibersheimer Kindergarten wieder umziehen. 

In der frei gewordenen Schule mit angrenzendem Wiesengelände waren jetzt bessere und zeitgemäße Möglichkeiten für Beschäftigung, Bildung und Erziehung geboten, sodass sich die kleinen Ibersheimer noch wohler fühlen und auch besser austoben konnten.

Mit Kindergarten Bundesverdienstkreuz erworben

Im Sommer 1978 konnte Diakonissenschwester Ruth Taube mit Stolz auf ein 25-jähriges Jubiläum zurückblicken und dafür das Bundesverdienstkreuz (Verdienstmedaille) entgegen nehmen. 

Nach dieser langen Dienstzeit mussten sich die Eltern in den nächsten Jahren an mehrere andere Betreuerinnen gewöhnen. Um 1981 waren es Frau Giebel und Frau Horn, um 1983 Frau Adamski und Frau Fellmann. Frau Johanna Peik, später verheiratet Schäfer, war in der Leitung die Nachfolgerin und arbeitete mit Frau Irma Riedmann und Frau Köhler zusammen. Frau Veronika Riedel leitete 13 Jahre die Geschicke des ältesten Wormser Kindergartens.

Dieses Team gestaltete auch das 50-jährige Jubiläum des Kindergartens am 11. Juni 1989 mit einem angemessenen ganztägigen Programm für Groß und Klein. Ein Festzelt und eine Hüpfburg wurden errichtet. Als Rückblick erschien eine 35-seitige Broschüre zum Nachlesen über die vergangenen 50 Jahre. Frau Peik-Schäfer verkaufte, nach dem Tod ihres Mannes, ihr schönes Haus in Ibersheim und zog nach Worms.

Erste Bildungseinrichtung vor Ort immer fortschrittlich

Rheinland-Pfalz hatte bereits ab 1. September 1970 das fortschrittlichste Kindergarten-gesetz gehabt. Dieser hohe Stand wird auch weiterhin gehalten, wenn man die Betreuungsquoten aller Bundesländer von 2012 vergleicht und mit 97,4 % Spitzenreiter ist. 

Die Politik fühlt sich gegenüber den Kleinsten verpflichtet, bereits vom zweiten bzw. dritten Lebensjahr bis zur Einschulung, Grundlagen für Soziale Kompetenz zu vermitteln.

Dem hohen politischen Anspruch wird heute vor Ort in Ibersheim die Erzieherin Frau Hildegunde Michel-Heim als Leiterin, mit der Kinderpflegerin Frau Riedmann, gerecht. Frau Michel-Heim leitet seit August 2005 die Ibersheimer "Zwergenvilla" und deutet damit an, dass die ihnen kleinen Anvertrauten ein zeitgemäßes Angebot für das jeweilige Kindesalter erhalten. Beide Fachfrauen sind, nach den langen Jahren ihres Wirkens in Ibersheim, zu Ersatzmüttern und Lehrerinnen im Vorschulalter geworden. Sie kennen die dörflichen und familiären Besonderheiten gut, sodass die Eltern ihre Kleinen am Morgen beruhigt abgeben und später wieder abholen können.

Aktuell kann man auf verschiedene Wünsche der Eltern eingehen. Es werden 2- und 3-jährige Kinder bis zum Schuleintritt aufgenommen, bei einem Teilzeit-, Ganzzeit- oder einem verlängerten Vormittagsangebot. Die städtische Einrichtung liegt nicht nur in der Natur. Sie wird auch in vielfältiger Weise den Kleinen näher gebracht, sodass sie sich darin wohl fühlen können.

75 Jahre Kindergarten in Ibersheim

2014 jährt sich die Gründung des Ibersheimer Kindergartens von 1939. Mit Stolz darf man zurückblicken auf die Wertschätzung der Verantwortlichen für diese kommunale Einrichtung. Die Eltern sind immer dankbar dafür gewesen, dass man ihnen vielfältige Arbeit abgenommen hat. 

Die Kleinen konnten im Kreise von Gleichaltrigen und in guter Obhut mit Freud und Leid ihre ersten Erfahrungen in der Gemeinschaft gleichaltriger sammeln. Die ganzheitliche Förderung und frühkindliche Bildung schätzte später auch mancher Ehemalige. Wer sich an seine Jugend erinnert und zum ersten Mal aus dem mütterlichen und häuslichen Schutz in eine Gesellschaft kam, wird vielleicht feststellen, dass dies eine Vorstufe für sein späteres gesellschaftliches Leben war.

Edmund Ritscher, Mannheim Januar 2014

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