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Schreinerhandwerk wuchs mit Lederindustrie

Beim ersten Treffen der Familienforscher aus Worms und Umgebung 2006 hielt Hans Denschlag einen Vortrag über die historische Entwicklung des Schreinerhandwerks in unserer Region.

Im Mittelalter regelte eine strenge Zunftordnung die Anzahl der Handwerker und ihr Verhalten. Ab dem 15. Jahrhundert wurde das Anfertigen eines Meisterstücks verlangt. Die Meister sollten nicht mehr als zwei Gesellen beschäftigen, um ihren Kollegen genügend Arbeit zu überlassen. Lehrlinge hatten Lehrgeld zu zahlen. Wenn ein Meister starb, konnte ein Geselle dessen Platz in der Zunft übernehmen, indem er die Witwe heiratete und deren Kinder mitversorgte. 

Dies tat Peter Hamman, der nicht als Schreiner, sondern als Zeichner von Ansichten der Stadt Worms vor ihrer Zerstörung 1689 bekannt wurde. Im 18. Jahrhundert schufen künstlerisch begabte Schreiner wie der in Osthofen geborene Georg Wahl kostbare Möbelstücke aus unterschiedlich farbigen Hölzern.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren in Hochheim nur fünf Schreiner ansässig. Zum Schreinerdorf wurde Hochheim erst um 1880, als die Lederindustrie in Worms einer wachsenden Zahl von Arbeitern ein sicheres Einkommen bot. Sie konnten sich nun eine bescheidene Wohnung mit einem Vertiko in der guten Stube leisten. Diese Schränke wurden in großer Zahl in Hochheimer Schreinereien hergestellt. 

Nach dem 1. Weltkrieg kamen die Vertikos aus der Mode. Stattdessen waren Schreibtische und Bücherschränke zur Ausstattung von sog. Herrenzimmern erwünscht. Jüdische Händler kümmerten sich um den Vertrieb der Hochheimer Möbel.

Während der Weltwirtschaftskrise 1929 konnte aber kaum noch etwas verkauft werden. Viele Arbeiter mussten entlassen werden, zahlreiche Betriebe schließen. Die Blütezeit des Schreinerdorfs Hochheim, in der allein die Möbelfabrik Rausch 74 Männer beschäftigt hatte, war vorbei. Im 2. Weltkrieg produzierte man hier Militärspinde und Munitionskisten.

Die Schreinerei Schärf vermochte sich nach dem Krieg zu einer Büromöbelfabrik im Wormser Industriegebiet zu entwickeln. Dort errichtete auch der kürzlich verstorbene Karl Kübel sein heute nicht mehr bestehendes Möbelwerk. Er hatte vor dem Krieg als Vertreter einer Karlsruher Eisenwarenhandlung Hochheimer Schreinern bei der Arbeit zugesehen und über Vereinfachungen ihrer Herstellungsweisen nachgedacht.

Eine der wenigen Schreinereien, die heute noch in Hochheim existieren, wurde 1898 von
Georg Denschlag gegründet. Im Anschluss an den Vortrag von dessen Enkel Hans Denschlag informierte Til Schrecker über die verwandtschaftlichen Zusammenhänge der aus Horchheim stammenden weitverzweigten Familie Denschlag. Außer den in Worms und seinen Vororten ansässigen Namensträgern gibt es auch Nachkommen von zwei Schwestern Denschlag, die 1869 nach Springfield in Illinois auswanderten, wo der 1865 ermordete amerikanische Präsident Abraham Lincoln zuvor als Rechtsanwalt tätig gewesen war.