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Der Wonnegau - das südliche Rheinhessen

Bei dem Namen Wonnegau kommen Wonnegefühle auf, die Freude, Vergnügen oder ganz einfach Wohlbehagen bedeuten. Diese Gegend liegt im Süden von Rheinhessen, das sogar von dem wunderschönen Rhein in den Arm genommen wird.

Wer einmal dort war, wird sich an die fröhlichen Rheinhessen mit weinseligen und genussreichen Zeiten erinnern. Hier wurde deutsche und europäische Geschichte geschrieben und Kriege erlitten. In die Nibelungensage kann man sich hineinversetzen lassen.

Der Wonnegau geografisch und klimatisch

Der Wonnegau ist der südöstliche Teil des rheinhessischen Hügellandes mit dem Wormser Altrheingebiet. Die größte Stadt im Wonnegau ist Worms und in der Mitte liegt Osthofen. 

Der Wonnegau ist eine der wärmsten und trockensten Gegenden Deutschlands. Im größten Weinanbaugebiet Deutschlands Rheinhessen findet man folgerichtig statt Wald, nur Weinberge. Die lange Sonnenscheindauer erfreut nicht nur die Winzer, sondern auch die Bewohner und deren Besucher. Neben den zum Teil weltweit bekannten Weinlagen gibt es noch Gewächse, die normalerweise nur in einem mediterranen Klima gedeihen. Daraus stellt man regionale Köstlichkeiten her.

Rheinland-Pfalz mit Rheinhessen und dem Wonnegau; Quelle: Kreis Alzey-Worms
Rheinland-Pfalz mit Rheinhessen und dem Wonnegau; Quelle: Kreis Alzey-Worms

Der Wonnegau politisch

Nach der Fusion zwischen der Verbandsgemeinde Westhofen und der Stadt Osthofen entsteht ab 1. Juli 2014 die Verbandsgemeinde Wonnegau. Danach umfasst die Region Wonnegau folgende Gebietskörperschaften:

Verbandsgemeinde Eich mit den Ortsgemeinden
Alsheim, Eich, Gimbsheim, Hamm am Rhein, Mettenheim.

Verbandsgemeinde Monsheim mit den Ortsgemeinden
Flörsheim-Dalsheim, Hohen-Sülzen, Mölsheim, Monsheim, Mörstadt, Offstein, Wachenheim

Verbandsgemeinde Wonnegau mit den Ortsgemeinden
Bechtheim, Bermersheim, Dittelsheim-Heßloch, Frettenheim, Gundersheim, Gundheim, Hangen-Weisheim, Hochborn, Monzernheim, Osthofen, Westhofen.

Stadt Worms mit den Stadtteilen
Abenheim, Heppenheim, Herrnsheim, Hochheim, Horchheim, Ibersheim, Leiselheim, Neuhausen, Pfeddersheim, Pfiffligheim, Rheindürkheim, Weinsheim, Wiesoppenheim.

Der Wonnegau geschichtlich

Der Wonnegau ist eine geschichtsträchtige deutsche Region mit einem der drei rheinischen Kaiserdome in Worms und einer der denkwürdigsten Stätten des Abendlandes unmittelbar daneben. Hier residierte bereits um 800 Karl der Große, der ungefähr das heutige Europa beherrschte. 

Martin Luther veränderte am Ende des Mittelalters 1521 mit seiner Haltung, seinen Aussagen und den jetzt möglichen Druckerzeugnissen das christliche Abendland. Auch unser Nachbar Frankreich wollte noch einen größeren Teil des Rheinlaufs als seine Grenze haben und marschierte 1689 und 1789 ein. In Napoleonischer Zeit war hier sogar französisches Mutterland mit allem was dazu gehört. Danach haben die Hessen 1816, ihrem hinzugewonnen Herrschaftsbereich, den schönen Namen Rheinhessen gegeben.

Der Wonnegau mit zwei Bedeutungen

Die Römer nannten ihren Verwaltungsbezirk um Worms 'Civitas Vangionum' nach dem germanischen Stamm der Vangionen. Aus der historischen Bezeichnung Vangionengau ist sprachlich abgewandelt Wangengau geworden. Neben der historischen Namensherkunft kam noch eine aussagekräftigere und verständlichere Namensgebung hinzu. 

Den Namen Wonnegau kann man heute als ein fruchtbares Land mit seinen fröhlichen rheinhessischen Bewohnern herleiten. Das ist dort, wo man sich auf Grund natürlicher Gegebenheiten wonniglich fühlen kann.

Wonnegauer Feste

Es liegt nahe, dass in einer Weingegend traditionell gerne Feste gefeiert werden. Politische Veranstaltungen sind hier seit Jahrhunderten noch bekannter. In keiner anderen deutschen Stadt waren soviel Reichstage, wie in Worms. Hier wurde europäische Politik gemacht. Die jeweiligen Herrscher kamen damals mit einem langen Tross, hoch zu Ross und zeigten sich dem Volk in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit.

Ein Reichstag war für die Stadt und die Region immer eine große Herausforderung, weil die Herrschaften mit ihrem Gefolge standesgemäß versorgt werden wollten. In anderen Städten sind solche Veranstaltungen zeitlich begrenzt oder gar nicht möglich gewesen. Von Worms mit dem Wonnegau ist dies nicht bekannt. Die Gegend hatte mehr als nur eine verkehrsstrategische Lage am Rhein zu bieten. Hier waren die Keller in normalen Zeiten immer voll gewesen.

Wormser Backfischfest
Bei den Reichstagen wurde auch an das gemeine Volk gedacht. Damals wie heute stellte man sich zur Schau. Es hat seinen Grund weshalb Worms im Wonnegau traditionsgemäß jährlich das größte Volks- und Weinfest am Rhein feiert. Das heutige Backfischfest mit dem Wonnegauer Weinkeller, einem Riesenrad und anderen Volksbelustigungen hatte Vorgänger gehabt. Es waren Ritterspiele mitten in der Stadt auf dem Obermarkt oder auf den Rheinwiesen, wo heute der große Festplatz ist. Zusätzlich dazu wird jährlich noch mit einem Spectaculum im Stadtpark an die angenehmen Seiten des Mittelalters erinnert.

Westhofener Traubenblütenfest
Traditionell feiert man in Westhofen relativ früh im Jahr das Traubenblütenfest mit einem Umzug, der auch schon live im Fernsehen übertragen wurde. Seit einigen Jahrzehnten wird noch das Dreikönigsdreschen am Jahresanfang als Fest mit einem Wettbewerb abgehalten. Der Heimatforscher Julius Grünewald wollte damit an alte Zeiten erinnern, als man im Winter die Dreschflegel rhythmisch auf der Tenne geschwungen hatte und wochenlang nichts anderes im Dorf hörte.

Osthofener Wonnegauer Winzerfest
Die Wein- und Sektstadt Osthofen hat, weil im Herzen des Wonnegaues gelegen, Anspruch auf die Zusatzbezeichnung Wonnegau. Die mehrtägige Veranstaltung bietet eine reiche Vielfalt der einheimischen Winzerbetriebe. Als Höhepunkt wird die Krönung der Wonnegauer Weinkönigin und Prinz Schampus gezählt. Hierbei treffen sich, wie überall bei solchen Gelegenheiten, zunächst einmal die Einheimischen untereinander, Gäste aus der Umgebung, Kunden der Winzer und ehemalige Osthofener nutzen die Gelegenheit einmal wieder die alte Heimat zu besuchen, um mit Gleichaltrigen Kontakt zu halten, weil alle bei diesem Fest wieder zusammenkommen.

Der Autor ist Wonnegauer

  • In Ibersheim 1937 geboren, dort 2001 sein Geburts- und Elternhaus verkauft
  • In Hamm waren Vorfahren vor 400 Jahren Amtsinhaber der reformierten Kirche
  • In Eich sind die väterlichen Vorfahren und Verwandten seit ca. 250 Jahren bekannt.
  • In Osthofen techn.-kaufmännische Lehre, Vorstandsmitglied Stenographenverein Osthofen
  • In Worms Schulzeit 1950-56, Familiengründung, Mitglied in Kirche und Turngemeinde

Edmund Ritscher, Mannheim - April 2014