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Luther und die Täufer

Die „Täufer“ sind keine  in sich homogene Gruppe. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Säuglingstaufe ablehnen, stattdessen die „Glaubenstaufe“ pflegen, die voraussetzt, dass der Täufling selbst ein Bekenntnis ablegen kann. 

Täufer lesen die Bibel - geheime Messe auf einem Fährboot, Jan Luyken, 1685, Wikimedia Commons 
Täufer lesen die Bibel - geheime Messe auf einem Fährboot, Jan Luyken, 1685, Wikimedia Commons

Da sie diese Taufe auch an Menschen vollzogen, die bereits als Säuglinge getauft waren, nennt man sie auch „Wiedertäufer“, englisch „Anabaptists“, niederländisch „Doopsgezinde“. Die nach Menno Simons genannten Mennoniten, die Hutterer und Amish sind bekannte Gruppen, die in Europa und nach ihrer Auswanderung in Amerika bis heute existieren. Dagegen hat das militante Täuferreich in Münster 1535 ein jähes Ende gefunden. 

Die Käfige, in denen die Hingerichteten ausgestellt wurden, sind heute nach am Turm der Lambertikirche zu sehen. Innerhalb der täuferischen Bewegungen gibt es eher biblizistisch ausgerichtete Gruppen, mystisch – spiritualistisch und apokalyptisch ausgerichtete.

 

Im schweizerischen Schleitheim (Kanton Schaffhausen) fand 24. Februar 1527 unter der Leitung von Michael Sattler die wichtigste Täufersynode statt. Hier einigte man sich auf die sogenannten „Schleitheimer Artikel“

Danach lehnen die meisten jegliche Form von Gewalt ab und pflegen eine streng wörtliche Auslegung der Bibel, in der die Kindertaufe etwa nicht explizit vorkommt, allenfalls mit einiger exegetischer Mühe aus dem Evangelium (Mk 10, 13- 16 par) und der Apostelgeschichte (Apg 10, 48) ableitbar scheint. Sie leisten ihrem Bibelverständnis entsprechend keinen Eid und verweigern den Dienst mit der Waffe. Sie stehen der Obrigkeit insgesamt distanziert gegenüber. 

Dies und die Nähe einiger Gruppen zu den aufständischen Bauern oder zu Thomas Müntzer ließ die Täufer in den Augen der Obrigkeit als „Störenfriede“ erscheinen und führte zu ihrer grausamen Verfolgung. Die Reformatoren stellten sich dabei auf die Seite der Obrigkeit, nicht zuletzt, um in einem Abgrenzungsprozess die eigene Position zu sichern. 

So machte auch Zwingli, der der Täuferbewegung ursprünglich nahe stand, gemeinsame Sache mit dem Züricher Rat, und Felix Manz wurde im Januar 1527 als erster Märtyrer der Bewegung in der Limmat ertränkt. Auch die Wittenberger Theologen einschließlich Luther gingen im Schulterschluss mit der Obrigkeit unbarmherzig mit den Täufern um. Auf dem Reichstag in Speyer 1529 – dem Reichstag der Protestation – wurde die Todesstrafe für alle wiedergetauften Personen festgelegt. 

Auf Drängen des Kaisers erließ Kurfürst Ludwig V. bereits 1528 ein Mandat wider die Täufer, aufgrund dessen im Bereich des Oberamtes Alzey fünfzehn Menschen hingerichtet wurden. Am 25. August 1557 fand auf Anordnung des Kurfürsten in Pfeddersheim ein Gespräch mit den Täufern statt, die im südwestdeutschen Bereich verbreitet waren. An dem Gespräch nahm Melanchthon teil. 

Man bezeichnete die Täufer als „teuflisches Geschmeiß“ und bewirkte deren Austreibung. In Worms entstand 1527 durch zwei Randfiguren der Täuferbewegung, Hans Denck und Ludwig Hätzer, eine Übersetzung sämtlicher Propheten des Alten Testaments vor, zu einem Zeitpunkt, als weder Zwingli noch Luther so weit waren. Beide habe die Übersetzung gekannt und benutzt. 

Luther hat sie gut gefunden, jedoch abgelehnt, da „Schwarm- und Rottengeister nicht treulich dolmetschen können“ und sie außerdem jüdische Hilfe in Anspruch genommen hätten. Auch Zwingli hat eher dogmatische Vorbehalte.

Einen besonderen Weg ging der hessische Landgraf, Philipp der Großmütige, der sich gegen den Rat der Theologen weigerte, einen Täufer hinrichten zu lassen, außerdem durch die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung, in der die Konfirmation eingeführt wurde, einen Kompromiss mit den Täufern gesucht hat.

Aus dem Mennonitischen Lexikon

Erklärung des Lutherischen Weltbundes gegenüber der Mennonitischen Weltkonferenz von 2010

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