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Luther und die Türken

Sowohl die Niederlage König Sigismunds bei Nikopolis im Jahre 1396 als auch besonders die Eroberung Konstantinopels durch Muhammad (Mehmed) II im Jahre 1453 verstärkten den Impuls, sich mit dem Osmanischen Reich, den Türken“,  und ihrer Religion auseinanderzusetzen. 

Deckel des Werkes "Heerpredigt D. Martin Luthers wider den Türken" von Martin Luther, Marcus Volmarius, 1593, Deutsche Digitale Bibliothek 
Deckel des Werkes "Heerpredigt D. Martin Luthers wider den Türken" von Martin Luther, Marcus Volmarius, 1593, Deutsche Digitale Bibliothek

Die Türken stellten einmal eine militärische Bedrohung für das Heilige Römische Reich deutscher Nation dar, hatte die Ausdehnung des Osmanischen Reiches doch schon 1521 zur Eroberung Belgrads geführt, 1529 stand Sultan Suleyman I, der „Prächtige“, mit seinen Truppen das erste Mal vor Wien. 

Die Angst auf christlicher Seite war groß, 1523 wurde das durch Papst Calixt III eingeführte Türkenläuten durch ein Mandat des Reichsregiments bestätigt, es kam sogar zu konfessionsübergreifenden Türkenpredigten. 

Zum anderen stellten die Muslime die christliche Religion vor die Frage, was es mit ihrer Religion auf sich habe, war es eine andere – wenn auch unterlegene - Religion oder im Blick auf den Überlieferungszusammenhang mit dem Judentum und Christentum eine gefährliche Sekte? Militärisch galten die Türken als gefährlich, wenn nicht sogar als überlegen. So sah man sie auch als eine Art „Gottesgeißel“ an. 

 

Diese Sicht in der Vorahnung der anbrechenden Endzeit findet sich auch bei Luther. Ähnlich dem lutherischen Theologen Mylius, der den Koran „eine Wüste und Kloake aller Lügen und Irrtümer“ nennt, formuliert Luther, dass die Türken, sofern sie „dem Koran mit Ernst glauben“, nicht wert seien, Menschen genannt zu werden. (WA 53, 388,33)  

Andererseits hätten sie, sofern sie einfach Ketzer und damit „halbe Christen“ seien, oder sofern sie in der Medizin, der Astronomie und der Philosphie der Vernunft folgten, als Menschen zu gelten. (WA 53, 389,31-390,5). Man könnte hier eine Parallele zu der frühen und den späteren Judenschriften sehen: freundliche Avancen, solange ein Bekehrungserfolg als aussichtsreich gesehen wird, dann eine totale Kehrtwende. 

Der Überlieferungszusammenhang von Christentum, Judentum und Islam führt auch zu charakteristischen Parallelisierungen und Projektionen, indem die „unevangelische Gesetzlichkeit“ des Islam mit der Religion der Papisten gleichgesetzt wird, welch letztere zuerst zu bekämpfen sei, um dem Islam das unverfälschte Evangelium gegenüberzustellen. 

Nahezu durchgängig sieht Luther in der osmanischen Bedrohung eine Strafe Gottes für das gegen das Evangelium agierende Papsttum. Indes stand Luther jeglichem Kreuzzugsgedanken ablehnend gegenüber, in der religiösen Auseinandersetzung galt für ihn das Wort. Deshalb plädierte er dafür, die Religion der Türken nicht nur nach ihren Bräuchen zu beurteilen, sondern ihre heilige Schrift, den Koran, fleißig zu studieren, was er selbst tat. 

Gerade was an der türkischen Religion beeindrucke, müsse gründlich studiert werden, um die Überlegenheit christlichen Glaubens zu erkennen. Auf die militärische Gefahr durch die Türken antwortet Luther u.a. mit seiner Schrift „Vom Kriege wider die Türken“ (WA 30 II, 107-148),  in der er gemäß seiner Lehre von den 2 Regimenten die Pflicht der Obrigkeit betont, das Reich vor dem Einfall der Türken zu schützen. Diese Pflicht wird auch im 16. Artikel der Augsburgischen Konfession (CA 16) betont.

Literatur: Thomas Kaufmann,“ Türckenbüchlein“, Zur christlichen Wahrnehmung „türkischer Religion“ in Spätmittelalter und Reformation (Forschungen zur Kirchen – und Dogmengeschichte 97), Göttingen 2008

Reformationund Islam; Ein Impulspapier der Konferenz für Islamfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

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