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Szene 1521

Eine Inszenierung ist das räumliche Sichtbarmachen eines Werkes, das sich in Gedanken, Worten und Entscheidungen ausgedrückt hat und in seinen Wirkungen bis heute anhält.

Die Szene, Zeichnung: illig & illig 
Die Szene, Zeichnung: illig & illig

Luther brauchte 1521 großen Mut, sich allein vor Kaiser und  Reich zu  verantworten. Dennoch trat er fest entschlossen diese Reise an. Dass er sich dann Bedenkzeit erbat auf die Frage, ob er etwas aus seinen Schriften widerrufen wolle, lässt vermuten, dass doch auch eine große Qual und Furcht auf ihm lag, diese Entscheidung zu treffen. In seinem Ausruf "ich bin hindurch" fällt diese Situation von ihm ab.

Eine temporäre,  künstlerische Installation als Bühnensituation gibt die Gelegenheit, heute etwas davon erfahrbar zu machen. Innerhalb eines räumlich verbundenen Systems kann der Besucher die Rolle von Luther oder die von Kaiser Karl V. einnehmen. 

 

Die Raumrichtungen, quer und längs, trennen die beiden Rollen klar voneinander, beide sind jedoch im gemeinsamen Konstruktionsgerüst gebunden. 

Als Luther tritt man auf einem unteren Niveau ein, vereinzelt, vorgeführt, der Beobachtung von oben ausgesetzt. Auf einer Empore stehen Kaiser Karl V. und die Ankläger, die in einer Verhörsituation auf Luther herabschauen.  Ergänzend zur Körper-Raum-Wahrnehmung in der Gegenüberstellung in dieser Szene gibt es für jede Rolle vier Elemente mit unterschiedlichen Bedeutungsebenen: Zitat, Begriff, Wortkreis, Zeichen.

Für die Rolle des Martin Luther ist das Zitat des letzten Satzes aus seiner Antwort vom 18. April 1521 vor Kaiser Karl V., den Vertretern der Stände und der Kirche zu lesen. Der dieser Rolle zugeordnete Begriff ist "Freiheit". Die Worte "deutsch", "diutisk", "Volk", "heilige Schrift", "Gott" assoziieren weitere Aspekte zu Luther und werfen Fragen auf.

Mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche etwa begründet Martin Luther das, was wir heute die deutsche Sprache nennen. Steht Martin Luther für das Volk gegenüber der imperialen Macht? Ist Luthers Freiheitsbegriff ein Beginn von Individualität in unserem neuzeitlichen Sinn? In seiner Rede bezieht er sich auf das Wort Gottes, an das er gebunden ist, die Schriften der Bibel. Was ist das für ein Gott? Das der Rolle Martin Luthers zugeordnete Zeichen ist dann auch die Bibel, die man in die Hand nehmen kann. Das Zeichen für den, der auf der Empore steht, ist die Krone, die man aufsetzt. Der Begriff gegenüber der "Freiheit" (von unten) ist die "Einheit" (von oben).

Der Wortkreis um Karl V. bildet sich aus "Caesar", "Imperium", "Krone", "Heiliges Reich" und  "Gott". Der spätere Kaiser leitet seinen universalen Herrschaftsanspruch aus der Nachfolge des römischen Imperiums in ein vom Papst gekröntes heiliges Reich ab.

Er versteht sich als Schutzherr der Kirche und Wahrer der Einheit. Als er die Verhängung der Reichsacht gegen Luther ankündigt, sagt er: „Ich bin fest entschlossen, alles aufrechtzuerhalten, was meine Vorgänger verordnet haben. Denn es ist sicher, dass ein einzelner Mönchsbruder irrt mit seiner Meinung, die gegen die ganze Christenheit ist, sowohl während der vergangenen tausend und mehr Jahre als auch in der Gegenwart.“

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